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Als "kleinster Kia" ist der Picanto bestimmt kein minderwertiges
Auto. Der Newcomer sieht großzügig aus und am besten
kann man ihn mit einem mini MPV vergleichen. Auch innen hat man
beim Picanto nicht den Eindruck eines kleinen Autos. Der Abstand
bis zur Windschutzscheibe ist groß, der Platz rundum die
Vordersitze ist enorm und die Insassenen haben ein deutliches Freiheitsgefühl.
Alles geht auf das Konto der Kia-Konstruktionsabteilung, weil
der Picanto durchaus ebenso groß, wie die viel kleiner
aussehenden Kleinen der Konkurrenz ist, was auch seine Abbildung in
den Zahlen findet. Das erklärt auch, warum der Platz auf der
Rücksitzbank und im Kofferraum nicht überdurchschnittlich
punkten kann. Sehr handlich ist der Doppelboden unter dem
Kofferraum, wo, in kleine Fächer ordentlich verteilt, auch
kleines Gepäck sicher aufbewahrt werden kann.
Ausstattung und Verarbeitung
Man findet die Vollwertigkeit der Ausstattung und der
Verarbeitung wieder. Um mit dem letzten zu beginnen: früher
konnte man sehr gut herausfinden, warum ein Kia so günstig
war. Der Hersteller bot alles an, was im Alltagsgebrauch notwendig
war, aber hat dort gestoppt, wo echter Luxus begann. Eine sehr gute
Wahl für denjenigen, der nur nach einem Transportfahrzeug von
A nach B sucht. Aber mit dem Picanto ist absolut unklar, wo Kia den
Vorteil erzielen kann.
Die Verarbeitung ist tadellos und man hat auch an Details nicht
gespart, z.B. die kleinen Sachen wie: eine Stütze für den
linken Fuß, ein Fach für die Sonnenbrille (ab der
EX-Ausführung) und raffinierte Lautsprecherplatzierungen(ab
der EX-Ausführung) für einen sehr guten Stereoklang. Die
Details gefallen, aber was nutzt das, wenn man den Fuß nicht
rauskriegen und die Sonnenbrille nicht finden kann oder trotzdem
schlechten Klang hören muss. Dadurch erfährt man das
ganze Auto automatisch als weniger positiv. Der Picanto erweckt
bereits ab der ersten Minute einen positiven Eindruck.
Blau
Diesen positiven Eindruck verstärkt das Design des
Innenraums, wo die Lackfarbe als zurückkehrendes Thema
verwendet wird. Man sollte es jedoch nicht mit reinem Metall im
Innenraum verwechseln. Die Innenseite ist bis zum letzten
Zentimeter gepolstert. Diese Polsterung hat auch Akzente in der
Lackfarbe. Das "pikante" blaue Testauto hat blaue Akzente im
Armaturenbrett, den Türfüllungen, den Fußmatten und
den Sitzen. Die Sitze sind für kurze Strecken angenehm, aber
nach einigen Hunderten Kilometer ununterbrochener Fahrt geben sie
dem Rücken nur wenig Stütze. Außerdem sind die
Kopfstützen für große Fahrer nicht weit genug herauszuziehen.
Bereits ab dem Basismodell (LX) sind die Becherhalter,
Beleuchtung des Kofferraumes, Ablagen an der Rückseite der
Vordersitze und ein Fahrerairbag standard. Ein Niveau höher
kommen schon Servolenkung, ein Drehzahlmesser, digitale Uhr und
Zentralverriegelung. Der hier gefahrene "EX Sport" ist die
luxuriöseste Ausführung und ist dann mit elektrischen
Fensterhebern vorne und hinten, Nebelscheinwerfer, Klimaanlage, ABS
und Seitenairbags ausgestattet. Ein teurer Geschäftswagen, der
ein paar Tage früher getestet wurde, bietet kaum mehr!
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Lecker würzig
Der Picanto ist mit einem 1.0 oder einem 1.1-Liter Motor
lieferbar. Bei der Einführung ist nur die 1.1-Liter-Variante
lieferbar und deswegen wurde diese hier gefahren. Dieser Motor
macht Kias Slogan "lecker würzig" (sollte es eigentlich
nicht mit dem Namen Picanto "lecker pikant" heißen?)
wahr. Vom ersten Moment an, also auch nach einem Kaltstart,
arbeitet der Picanto sehr gut. Der Motor ist sowohl elastisch als
auch schnell. Natürlich kann man in dieser (Preis)Klasse keine
Wunder erwarten, aber der Picanto geht mit dem Verkehr mit
großer Leichtigkeit um. Auch sicheres Überholen oder
flottes Einfädeln ist absolut kein Problem.
Der Picanto arbeitet mit der Leichtigkeit, die eigentlich nur
für teurere Autos charakteristisch ist. Bei kräftigem
Beschleunigen brüllt der kleine Motor nicht, als ob es eine
unmögliche Aufgabe wäre. Der Motor bleibt niedrig in der
Drehzahl, in der täglichen Praxis, was geringe
Motorgeräusche und einen niedrigen Kraftstoffverbrauch
bedeutet. Nur der Zwischensprint von 80 auf 120 Km/h wird
vorzugsweise im 4.Gang durchgeführt, weil er im 5.Gang viel zu
viel Zeit kostet. Letztendlich kam der Testverbrauch dieses
"Picanto Sport" auf nette 5,3 L/100 Km.
Die Bremsen scheinen für einen viel schwereren Motor
gemacht worden zu sein. An der ersten Ampel wäre der
Testfahrer ohne Sicherheitsgurt beinahe mit der Nase gegen die
Windschutzscheibe gestoßen! Tipp: am Anfang der Probefahrt
eine kurze Bremsprobe machen. Die hohe Bremskapazität ist zwar
eine Gewöhnungssache, aber trägt wesentlich zur
Sicherheit bei. Wenn es um Sicherheit geht: auch die
Straßenlage ist überdurchschnittlich gut und mit dem
Picanto kann man, bei Bedarf, eine Kurve flott nehmen. Die Lenkung
ist angenehm und präzise; ganz Recht, ein pikantes Angebot.
Fazit
Es hat ein bisschen gedauert, aber Kia ist mit dem Picanto
vollkommen in die Kleinstwagenklasse zurückgekehrt. Kias
Kleinster unterscheidet sich durch sein fröhliches Design und
einen auffallend geräumigen Innenraum. Die Verarbeitung ist
auf einem hohen Niveau, von dem ein kompakter Kia vor einigen
Jahren noch nicht mal träumen durfte. Auch in technischer
Sicht ist der Picanto ganz auf der Höhe dieser Zeit. Der Motor
ist flott, leise und sparsam. Die Bremsen sind (mehr als)
ausgezeichnet und die Straßenlage - lobenswert. Mit dem
Picanto können die Kia-Händler wieder gute Geschäfte
machen, weil er ein pikantes Angebot ist.
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