Honda Civic IMA

Honda Civic IMA

Der perfekte Assistent

Autotest | Honda hat einen sehr guten Ruf als Motorenbauer. Deswegen wundert es nicht, dass Honda zu den ersten Anbietern eines komplett neuen Autotyps gehört. Der Honda Civic IMA ist ein Auto mit so genanntem "Hybrid"-Antrieb, mit einem Benzin - und einem Elektromotor. Damit ist der Newcomer besonders sparsam, ohne irgendwelche Zugeständnisse an Komfort oder Fahrverhalten machen zu müssen.
 

Auf den ersten Blick ist der IMA kein neues Zukunftsauto aus Japan. Der IMA ist außerdem der einzige Civic als Limousine und kommt deswegen sogar konservativ rüber. Das Auto ist nicht aus leichten Materialien gemacht worden, sondern aus dem gleichen Metall, wie jeder andere Civic. Nur ein kleiner Spoiler auf der Heckklappe erzeugt etwas von einem besonderen Charakter. Der Honda Civic bietet als Limousine sowohl vorne als auch hinten viel Platz.

Auch beim Innenraum hat man die Vorstellung, es mit einem absolut normalen Civic zu tun zu haben. Alle Schalter und Hebel sind logisch platziert und deswegen fühlt sich Fahrer schnell zuhause. Die Sitze und das Lenkrad haben viele Verstellmöglichkeiten, deswegen lässt sich auch schnell eine bequeme Sitzposition hinterm Lenkrad realisieren. Für ein Auto für rund 17.000,-Euro ist seine Ausstattung großzügig. Nicht nur die Klimaanlage, das Audiosystem und elektrische Fensterheber vorne und hinten gehören zur Standardausstattung, auch eine Sitzheizung ist im Standardumfang vorgesehen.

Integrated Motor Assist

Wie der Name IMA (Integrated Motor Assist) andeutet, ist der Elektromotor ein eingebauter Assistent. Der Benzinmotor ist immer das wichtigste Triebwerk, der Civic fährt nie nur auf dem Elektromotor. Wenn der Benzinmotor viel Power - und dadurch viel Kraftstoff - braucht, springt der Elektromotor ein, um den Verbrauch zu begrenzen.

Dabei wird der Elektromotor gebraucht, um super schnell starten zu können. Nach dem Umdrehen des Kontaktschlüssels kommt kein kurbelndes Geräusch eines Anlassers. Der Benzinmotor ist fast sofort "an", auch nach einem Kaltstart. Dieses schnelle Starten ist notwendig, weil der "eco"-Modus den Motor ausschaltet, wenn das Auto zum Stillstand kommt. Still stehen mit laufendem Motor bedeutet jedenfalls einen Verbrauch von 1.0 L/100 km. Sobald der erste Gang eingelegt wird, startet der Motor automatisch. Dies geschieht so schnell, dass der Fahrer nie schneller kuppelt und schaltet als der Motor startet.

Unterwegs

Fahren mit dem Civic IMA ist so angenehm und einfach, wie mit jedem anderen Civic. Wie es sich bei Honda gehört, ist der Civic ein lebhaftes Auto, mit viel Fahrvergnügen. Die Lenkung ist alert und die Straßenlage fast wie bei einer großen Klasse, obwohl in Extremfällen Unter- oder Übersteuerung auftreten kann. Vor einer Kurve ist kein oder kaum Bremsen erforderlich, danach braucht man die Geschwindigkeit nicht wieder aufzubauen. Außerdem trägt eine gute Straßenlage (aktive Sicherheit) auch mehr zur Sicherheit bei, als 100 Airbags (passive Sicherheit).

Dank des relativ einfachen Konzepts, wird das Auto gewöhnlich manuell geschaltet. Dabei wird eher ein 5-Gang und kein angepasstes 6-Gang Schaltgetriebe mit extra langem 6.Gang verwendet. Eine Markierung beim Drehzahlmesser zeigt den besten Moment an, um für einen niedrigeren Kraftstoffverbrauch zu schalten. Dann fällt auf, dass sich der Benzinmotor (aus dem Honda Jazz), wie kein anderer, für sparsames Fahren eignet. Bereits bei niedrigen Drehzahlen ist viel Power vorhanden. Das hat den Vorteil, dass das Auto auch noch leise und komfortabel ist.

Honda Civic IMA

Nicht an die Steckdose

In der Praxis assistiert der Elektromotor vor allem beim Überholen und beim Anstieg am Berg. Das ist jedoch beim Fahrverhalten kaum merkbar. Es sind vor allem die Instrumente, die anzeigen, dass der Elektromotor seine Arbeit macht. Auf der Anzeige sieht man, dass der Verbrauch auch beim Beschleunigen begrenzt bleibt. Wenn man bei extrem niedrigen Drehzahlen fährt (weniger als 1.000 U/min), fühlt man, wie der Elektromotor direkt anspringt, bevor der Benzinmotor zu zittern anfängt.

Der Civic IMA braucht nie an der Steckdose aufgeladen zu werden. Bereits beim Fahren werden die Akkumulatoren aufgeladen. Da wo normalerweise die Energie verschwendet würde, wird diese jetzt in Elektrizität umgewandelt. Die Anzeige, die vorher anzeigte, dass der Elektromotor aktiv war, gibt beim Rollen, Bremsen oder bei Bergabfahren an, dass die Akkumulatoren des Elektromotors aufgeladen werden. Die Kapazität dieser Akkumulatoren ist gering. Nach einigen Kilometern Stadtverkehr sind 50% dieser Kapazität bereits verbraucht. Glücklicherweise ist das nach ein paar Kilometern Autobahn wieder ausgeglichen. Auf der Autobahn vermisst man den Tempomaten; unfassbar, weil dieser ein wichtiger Beitrag zum erzielen eines niedrigen Kraftstoffverbrauchs sein sollte.

Minimum und Maximum

Die ersten Tage wird der Civic IMA gefahren, als ob er ein gewöhnliches Auto wäre. Nach Autobahn, Staus und Stadtverkehr beträgt der Verbrauch durchschnittlich 4.9 Liter/100 km. Das stimmt, ohne jegliche Anpassung an den Fahrstil, exakt mit den Herstellerangaben überein. Nur mit einem außergewöhnlich brüsken Fahrverhalten ist es möglich, mehr als durchschnittlich 5 Liter/100 km zu verbrauchen.

Honda Civic IMA

Einmal mit dem Auto vertraut, wird es Zeit, den minimalen Kraftstoffverbrauch zu bestimmen. Das fängt bei einer guten Vorbereitung an. Fortbewegung von Zusatzgewicht verbraucht Zusatzenergie, also, alles, was überflüssig ist, bleibt zu Hause. Für ein ehrliches Resultat wird eine Route mit Stadtverkehr, Landstraße und Autobahn gewählt. Es darf nie so langsam gefahren werden, dass der restliche Verkehr behindert wird.

Auf der Strecke von 250 Kilometer, auf der alle Einsparungsinstruktionen aus dem Schrank geholt werden (sehr gut antizipieren, minimal bremsen vor Kurven, gleichmäßige Geschwindigkeit beibehalten, überflüssige Stromverbraucher ausschalten), kommt der durchschnittliche Verbrauch schließlich auf spektakuläre 4.1 Liter /100 km.

Prius

Schliesslich kann ein Vergleich mit dem einzigen Konkurrenten, dem Toyota Prius, nicht ausbleiben. Der Prius ist ein Wunder der Technik, der auf jedem Kilometer fasziniert. Das Auto ist nicht nur sensationell komfortabel, sondern auch seine umfangreiche Ausstattung, seine fortschrittliche stimmgesteuerte Bedienung und sein schlaues e-CVT Schaltgetriebe verursachen, dass der Prius seiner Zeit weit voraus ist.

Der Honda Civic IMA hat einen komplett anderen Charakter. Honda hat kein Konzept-Auto gebaut, sondern hat ein bestehendes Auto mit der neuen Technik ausgestattet. Damit ist der Civic IMA zwar nicht mal halb so besonders, aber mindestens genauso sparsam. Außerdem ist der Civic ein tolles Auto. Zusammen mit seinem netten Preis setzt der Honda Civic IMA jetzt alles noch leichter in die Tat um und leistet damit einen Beitrag zur Umweltschutz.

Fazit

Alle Autohersteller versprechen umweltfreundliche Autos, aber die wenigsten bieten heutzutage bereits eine richtige Lösung an. Die Lösung von Honda besteht aus einer Kombination von einem Benzin- und einem Elektromotor. Dafür hat man kein neues Auto entworfen, sondern ein populäres, bestehendes Auto angepasst. Die verwendete Technik ist relativ einfach, aber dadurch nicht weniger effektiv. Mit einem normalen bis ruhigen Fahrstil kann man einfach einen Verbrauch von 5 Liter/100 km oder weniger realisieren.

Dafür ist kein Mini-Auto nötig, das Auto braucht nicht nachts aufgeladen zu werden und die Akkumulatoren nehmen den Kofferraum nicht in Beschlag. Hondas "Integrated Motor Assist" bietet viele Extras, ohne dass der Fahrer etwas dafür tun muss; der perfekte Assistent nimmt einem die ganze Arbeit aus den Händen.

plus
  • Extrem sparsam
  • Praktisches Auto für jeden Tag
  • Einfache, aber sehr effektive Technik
min
  • Kein Tempomat
  • Design doch sehr gewöhnlich