14 Januar 2004
Suzuki Wagon R+

Suzuki Wagon R+

Der Schein trügt

Autotest | Der Suzuki Wagon R+ hat vor kurzem ein Facelift bekommen. Wie üblich, nach einer solchen Verjüngungskur, ist das Design jetzt vollkommen "in" und die Standardausstattung umfangreicher als früher. Aber es gibt auch etwas Besonderes mitzuteilen: sehr ungewöhnlich in dieser kleinen Klasse ist, dass der Wagon R+ ab jetzt auch mit einem Dieselmotor lieferbar ist. Was ist der Wert dieses kompakten Suzuki?
 

Suzuki wollte schon seit längerer Zeit einen Diesel auf den Markt bringen, stieß aber immer wieder auf die gleichen Probleme. In ein kleines Auto passt nur ein kleiner Motor. Der kleine Motor muss die geltenden Umweltbedingungen erfüllen und sowohl die Leistungen als auch einen niedrigen Kraftstoffverbrauch realisieren, was die Suzuki-Fahrer erwarten. Durch eine Zusammenarbeit mit diversen anderen Herstellern, fand Suzuki schließlich einen Motor, der alle Anforderungen erfüllt. Dieser Motor stammt von Fiat, die seit kurzer Zeit eine kompakte Version des erfolgreichen JTD-Motors bauen.

Nach Brüssel

Wie bei fast jedem Dieselmotor ist auch bei diesem Exemplar wichtig, die ersten Kilometer vorsichtig mit dem Gas umzuspringen. Der Motor wird schnell warm und beginnt dann immer besser zu arbeiten. Dann fällt auf, dass der Charakter dieses Dieselmotors eigentlich sehr gut zu einem Auto, wie dieses, passt. Grob gesagt, ein Benzinmotor ist schnell und lebhaft, während ein Dieselmotor sich durch Elastizität und Ruhe auszeichnet. Ein Auto wie der Wagon R+ sollte man nicht als Sportwagen kaufen und deswegen passt der Charakter des Dieselmotors sehr gut zu diesem Auto.

Suzuki Wagon R+

In der Stadt arbeitet der Wagon R+ Diesel ausgezeichnet. Auch, wenn die extra Portion Leistung verwendet wird, enttäuscht das Triebwerk nie. Außerdem ist die Power bei fast jeder Drehzahl vorhanden und deswegen kann auch schaltfrei gefahren werden. Aber so richtig angenehm überrascht der Wagon R+ erst auf der Autobahn. In der Stadt ist der Schallpegel eher bescheiden, aber durch viel Bremsen und Beschleunigen hört man ganz klar, dass es ein Diesel ist. Bei einer konstanten Geschwindigkeit auf der Autobahn, ist der Wagon R+ relativ leise. Auch bei hoher Geschwindigkeit ist noch mehr als genügend Reserve vorhanden. Der Sprint von 100 auf 120 Km geht flott und zurückschalten ist in vielen Fällen, für ein Überholmanöver, nicht nötig. Dank dieser Eigenschaften eignet sich der Wagon R+ Diesel jetzt auch als Reiseauto. Deswegen hat sich Autozine gerade bei diesem Auto für eine Reise nach Brüssel entschieden, um dort einen Bericht über "den" Autosalon zu schreiben.

Durch seinen hohen Aufbau und die kleinen Räder weicht die Straßenlage des Wagons R+ von der eines durchschnittlichen Autos ab. In Kurven oder auf Bodenwellen reagiert der Suzuki etwas deutlicher als ein konventionelles Auto. Bei trockenem Wetter ist das kein Problem, aber die kleinen Räder können bei nassem Wetter und schlechter Straßendecke einfach die Haftung verlieren. Dafür müsste man mutwillig zu schnell fahren, aber in einer extremen Situation wäre etwas mehr Reserve willkommen. Bei starkem Seitenwind verhält sich der hohe Wagen richtig vorbildlich. Natürlich spürt man bei einem Auto wie diesem den Seitenwind mehr, als durchschnittlich, aber der Wagon R+ bleibt stabil.

Facelift

Die Anziehungskraft des neuen Wagon R+ kommt nicht nur durch seinen neuen Motor. Das silbergraue Testauto ist auf den ersten Blick ein kleiner und "tapferer Wagen". Die proportional kleinen Räder des hohen Wagens haben mit seinen fröhlich schauenden Scheinwerfern etwas Rührendes. Beim letzten Facelift wurde die Frontpartie nur in Details geändert. Die Scheinwerfer sind mit hellerem Glas versehen, der Kühlergrill hat eine Lamelle weniger und der Frontspoiler ist etwas weniger rund, wodurch das Auto eine solidere Ausstrahlung bekommt.

Im Innenraum sind die Unterschiede größer. Das schöne neue Lenkrad (mit Airbag) liegt angenehm in der Hand. So sollte auch in der Zukunft ein Sportwagen aus dem Suzuki entstehen können. Die Mittelkonsole ist mit Zusatzablagen versehen und das Schaltgetriebe ist mit Chrom verziert. Der Schaltknüppel lässt sich übrigens etwas leichter als beim Benziner einlegen, obwohl der 2.Gang sich bei diesem Testauto manchmal etwas schwer schalten lässt.

Suzuki Wagon R+

Der hier gefahrene Diesel ist in nur in der luxuriösesten Ausführung lieferbar und hat dann unter anderem als standard: elektrische Fensterheber vorne, Zentralverriegelung (ohne Funkfernbedienung) und viel passive Sicherheitssysteme. Vor allem in diesem letzten Punkt kann der geliftete Wagon R+ sich mit anderen, neueren Autos in diesem Segment messen. So hat der Wagon R+ Diesel vier Airbags, ABS mit EBD, Verstärkungsbalken in den Türen, in der Höhe verstellbare Sicherheitsgurte und aktive Kopfstützen.

Platz

Im Innenraum hat man wie ehedem ein geräumigeres Gefühl als sein Äußeres vermuten lässt. Die Insassenen sitzen nicht Schulter an Schulter, sondern haben viel Platz vor, neben und über sich. Die Sitze sind großzügig bemessen und mit Kopfstützen versehen, die (nach einiger Übung) auf die richtige Höhe eingestellt werden können, um wirklich zur Sicherheit beizutragen. Ganz wie bei größeren MPVs ist auch dieser Kleiner mit allerlei Ablagen, Netzen, Haken und Ösen ausgestattet.

Da der Wagon R+ in die Höhe gebaut worden ist, ist die Rücksitzbank so entworfen, dass die Passagiere sich automatisch gerade hinsetzen. Eine solche Position erfordert weniger Beinfreiheit, deswegen bietet dieser kleine MPV hinten sogar Erwachsenen genügend Platz. Die Rücksitzbank kann mit einer einfachen Bewegung hochgeklappt werden. Die Kopfstützen müssen nicht abgebaut werden und dank der ingeniösen Konstruktion machen die Sitze automatisch Platz. Dank seiner eckigen Formen ist der Ladenraum auch tatsächlich bis zum letzten Kubikzentimeter zu nutzen. Durch sein Design ist der Wagen leicht wendbar und leicht zu übersehen und kann nach jeder Fahrt einfach geparkt werden.

Suzuki Wagon R+

Fazit

Mit dem Wagon R+ beweist Suzuki (in Zusammenarbeit mit einigen Partnern) wieder seine Stärke beim Bau von kleinen Autos. Die eckigen Formen machen das Auto an der Außenseite kompakt, aber innen bietet der Wagon R+ mehr Platz als jedes andere gewöhnliche, kleine Auto. Der Platz kommt den vier oder zwei Insassenen, mit einer ganzen Menge Gepäck, zugute. Dank eines genialen Mechanismus lässt sich der Wagon R+ wortwörtlich im Handumdrehen vom Viersitzer zum Zweisitzer mit Extrakofferraum verwandeln.

Der neu eingeführte Dieselmotor wurde gut an den Charakter des Wagon R+ angepasst und dadurch eignet sich der Wagen auch gut für Langstrecken. Der JTD-Motor wurde vor allem für seine flotten Leistungen konstruiert und weniger für einen günstigen Verbrauch. Unter allen Umständen ist der Motor leise und leistungsfähig, was wieder beweist, dass dieser Kleine mehr drauf hat, als sein Äußeres vermuten lässt.

plus
  • Wendig im belebten Verkehr
  • Geräumig und praktisch
  • Sehr guter Langstreckenathlet für das Budget
min
  • Mäßige Straßenlage bei extremer Witterung
  • Die Zuverlässigkeit des Dieselmotors lässt etwas zu Wünschen übrig