29 Oktober 2003
Mini MINI (2001 - 2006)

Mini MINI (2001 - 2006)

Maxi Rennsemmel

Autotest | Der Cooper S ist das Top-Modell von Mini. Deswegen ist es ein bißchen komisch, wenn der Käufer diesen schnellen Mini sofort nach dem Kauf erst mal noch beim Händler stehen läßt. Es gibt einen guten Grund dafür, als Sonderzubehör ist das "Works"-Paket lieferbar. Damit wird der bereits schnelle Cooper zu einer richtigen "Rennsemmel". Autozine macht sich auf den Weg mit dem feinsten Angebot dieses Minis... und dann auch ein bißchen mehr.
 

"The Works" ist ein englischer Ausdruck für die ausführlichste Behandlung. Meistens wird es beim Verwöhnen in einem Schönheitssalon benutzt, aber man kann es auch beim Verwöhnen für ein Auto gebrauchen. Die "Arbeit" wird durch einen Autohändler durchgeführt, im Namen von Mike Cooper, den Sohn von John Cooper, der einst die erste Mini-Generation in den 60ern tunete.

Die Prozedur beinhaltet das Anpassen der Zylinderköpfe, des Kompressors und des Auspuffes. Das Letztere ist eines der wenigen äußeren Kennzeichen eines Mini Works, weil das Auto jetzt mit doppeltem Auspuff ausgestattet ist. Natürlich wird auch das Motor-Management angepaßt, um die extra Power völlig auszunutzen. Letztendlich bekommen die nicht üblen 163 PS des Cooper S fast 40 PS extra drauf, mit denen die Zaubergrenze von 200 PS überschritten wird. Jedes "Works"-Set ist numeriert. Bei unserem Mini kann man unter der Motorhaube sehen, daß dieses Tuningset die Nummer S1021 hat.

Mini MINI (2001 - 2006)

Nach der Behandlung durch die Familie Cooper, ist jetzt der volle Name des Autos "Mini Cooper S Works"; ein Name, der den wahren Charakter sofort verrät. Schon ab den ersten Kilometern hängt das Auto direkt in einer seltsamen Weise vom Gas ab. Die Kupplung greift robust, das Getriebe läßt sich zwar etwas schwer schalten, aber man kann es flüssig und sicher bedienen. Wenn das Gaspedal durchgetreten wird, verhält sich das Auto plötzlich mit Klang und Gefühl, so daß man merkt, unter der Motorhaube steckt viel mehr Power als man eigentlich braucht.

Dieses Auto hat Charakter, das bedeutet, es kann immer schneller. Der eine Fahrer würde es als "nervös" bezeichnen, der Tester sagt lieber: Bereitwillig und viel versprechend. Leider fehlen sowohl Kühlwasser- als auch Öltemperaturanzeige, so daß man nur auf Gefühl fahren kann, wenn diese Versprechungen gehalten werden können. Trotz seines sehr feurigen Charakters, kann man den Cooper S auch ohne Probleme langsamer fahren, so daß die unerfahrenen Fahrer mit unerwarteten Temperamentsausbrüchen nicht überfallen werden.

Temperamentsausbrüche

Um die volle Power ausnutzen, muß man sehr entschlossen auf's Gaspedal treten, bis die fast 7.000 Touren pro Minute erreicht werden. Dann werden alle 200 PS frei gelassen und der Mini geht auf eine Weise ab, die seinesgleichen sucht. Gas geben bei hoher oder niedriger Geschwindigkeit ist kein Problem, die Beschleunigung ist, "schlicht" gesagt, sensationell. Der Klang des Motors ist eine Erfahrung in sich, weil er kein tief brüllender Kraftprotz ist, sondern mehr eine "schnurrende Nähmaschine". Dies ist ein pures Spaßauto, das manche Sportwagen sprichwörtlich und bildlich hinter sich läßt. Die Temperamentsausbrüche sind so überwältigend, daß wenn man ihm das Äußerste abverlangt, die (abschaltbare) Traktionskontrolle im 1. und 2. Gang fast fortwährend aktiv ist. Der Mini Works ist nicht nur schnell, sondern er kann auch den schnellsten Autos des Mutterkonzernes BMW das Leben schwer machen, was während des Tests mit viel Freude und Vergnügen auch mehrmals realisiert wurde!

Mit einem schnellen, sprich blitzschnellen, Motor ist die Erfahrung jedoch noch nicht vollständig. Glücklicherweise ist der Ursprungs-Mini sehr leicht zu lenken und reagiert auf jedes Kommando lebendig und direkt. Genauso wie seine illustren Vorgänger, klebt auch dieser neue Mini richtig auf dem Asphalt, wodurch der Cooper S auch in dieser Hinsicht 'ne ganze Menge Fahrvergnügen liefert. Auch dieser extreme Mini hat Vorderradantrieb, was bedeutet, daß Rasse-Sportwagen im Kurvenverhalten doch einen Schritt weiter gehen. Das Fahrgestell, die Lenkung und die Bodenhaftung haben absolut kein Problem bei hohen Geschwindigkeiten mit der erhöhten Leistung. Deswegen, technisch gesehen, sind noch größere Leistungen möglich, obwohl das gebotene Geschwindigkeitspotential nichts zu wünschen übrig läßt.

Mini MINI (2001 - 2006)

Reisewagen

Wo der Mini noch etwas zu wünschen übrig läßt, sind seine Sitze. Sie sind bequemen und angenehm auf der Langstrecke, aber es sind keine puren Schalensitze, wie bei der Konkurrenz und was bei einem Auto dieses Potentials schon fast selbstverständlich ist. Das gleiche Gefühl geben die Bremsen. Auch diese erzielen nur ein "voll ausreichend" - um zu dem extremen Charakter zu passen, hätten die Bremsen noch schneller und bissiger reagieren müssen, damit das Erlebnis noch intensiver ist.

Wenn der Fahrer endlich ausgespielt hat, gezwungen oder nicht durch den restlichen Verkehr, kann man den 6 Gang einlegen. Dann sinkt die Drehzahl wesentlich und der Mini Works ist auch ein sehr guter Reisewagen. Der Geräuschpegel ist etwas höher als durchschnittlich, aber die Straßenlage ruhig und dank der großen Powerreserve kann man mit großer Leichtigkeit auch Langstrecken durchfahren. Genauso wie jeder andere Mini, wird auch dieser Cooper S von quengeligen Nebengeräuschen vom Klimasystem, Servolenkung und Kraftstoffpumpe geplagt.

Immerhin hat das Testauto noch eine angenehme Überraschung in petto. Der Hersteller hat dieses Exemplar bei der Gelegenheit mit allen lieferbaren Extras ausgestattet. Dadurch hat man das vollkommene Gefühl ,mit einem luxuriösen Reisewagen zu fahren. Das Testauto ist mit Xenon-Scheinwerfern mit Lichtsensor, Ledersitze inkl. Sitzheizung, Tempomat und Navigationssystem ausgestattet. Genau wie jeder Mini, ist auch dieses Exemplar mit einem Audiosystem versehen, wobei der Hifi-Fachmann, Harman Kardon, um Hilfe gebeten wurde. Der Radio/CD-Spieler hat einen warmen und starken Klang. Es ist alles andere als Hifi, klingt eher wie eine swingende Holz-Jukebox, die das Vergnügen aber noch mehr steigert.

Mini MINI (2001 - 2006)

Fazit

Mehr Mini, geht nicht. Der Ausgangspunkt für das Testauto ist der "Cooper S", der schnellste Standard- Mini im Moment. Dieses Auto ist bei der Gelegenheit mit allen lieferbaren Extras ausgestattet worden und kann dadurch mit manchen, luxuriösen Dienstwagen konkurrieren. Da man sich auch 'was für's Auge wünscht, ist das Testauto außerdem mit dem "The Italian Job"-Paket ausgestattet, wodurch das Auto dem Mini gleicht, der eine Hauptrolle im gleichnamigen Film spielt, wie ein Ei dem anderen

Die wichtigste Zutat ist das Tuningset von Mike Cooper, das für einen neuen oder vorhandenen Mini Cooper oder Mini Cooper S zur Verfügung gestellt werden kann. Im Falle eines Cooper S wird die Gesamtleistung auf 200 PS erhöht, das Verändert das Auto in eine Rennmaschine, die seines gleichen sucht. Die Leistungen sind einfach sensationell. Selbstverständlich kann man auch ruhiger fahren, aber im Alltagsleben ist der getunete Mini ein weniger Vergebungsfreudiger Sportwagen als ähnliche kompakte schnelle Autos. Das ist für den einen Fahrer eher ermüdend, für einen anderen ist es die Garantie für maximalen Fahrspaß, bis auf den letzten Meter. (Ivo Kroone).

plus
  • Pure Sensation!
  • Die schönste je getestete Rennsemmel
  • Unanständig schnell und trotzdem viel Mini Charme
min
  • Sehr teuer
  • Nebengeräusche von Servolenkung und Kraftstoffpumpe