|
Der Laie muß zweimal hinschauen, um den Volvo S60 zu
erkennen. Dank des typischen Volvostils, sind die Autos leicht als
Volvo, aber etwas schwieriger Untereinander zu unterscheiden. Der
S60 hat das gleiche Fahrgestell wie der S80 und ist deswegen fast
genauso groß. Erst wenn die Autos nebeneinander stehen,
fällt auf, dass der S80 etwas großzügiger bemessen
ist und durch die Verarbeitung etwas gediegener aussieht. Der S60
ist wirklich für den sportlichen Fahrer bestimmt. Obwohl das
Fahrgestell genau wie das des S80 ist, ist die Platzierung der
Räder doch etwas anders. Deswegen ist die Gewichtsverteilung
etwas günstiger und das merkt man auch sofort in den Fahreigenschaften.
Sportlich
Komfort steht immer noch an erster Stelle, aber jetzt mit einem
sportlichen Unterton. Außer dem sicheren und soliden
Gefühl, kommuniziert der S60 besser mit dem Fahrer. Die
Reaktionen des Wagens auf das Lenkrad sind etwas direkter und auch
das Fahrgestell erzeugt mehr Gefühl. Es geht hier eher um
einen sportlichen Unterton, weil die Servolenkung leider noch immer
deutlich anwesend ist und vor allem um die Reaktion auf jede
Handlung, die das sportliche Gefühl verleiht. In schnell
genommenen Kurven, nickt das Auto noch immer mit der Seite, aber
jetzt fühlt man besser, wo die Grenzen liegen. Dank der
günstigen Gewichtsverteilung liegen die Grenzen innerhalb
eines sehr umfangreichen Sicherheitsbereiches.
Das Testauto ist mit dem erst kürzlich eingeführten
2.4-Liter Diesel ausgestattet. Dieser ist mit Volvos "Low Pressure"
Turbo ausgestattet. Der gebräuchlichere "High Pressure" Turbo
arbeitet erst bei einer relativ hohen Umdrehungszahl. Das hat
Folgen – so ein Turbomotor arbeitet bei niedrigen
Umdrehungszahlen mittelmäßig und bei hohen, wenn der
Turbo unterstützen kann, gibt er plötzlich viel Power.
Volvos "Low Pressure" Turbo verteilt die Power über einen
breiteren Drehzahlbereich und verhindert dadurch die
plötzliche Zunahme der Motorleistung. Obwohl der Motor jetzt
viel Power bietet, ist die maximale Kapazität kleiner, als bei
einem "High Pressure" Turbo. Dennoch ist die Leistung dieses
5-Zylinder Diesel sehr gut und das Auto mangelt es nie an Power.
Außerdem trägt die Wahl des "Low Pressure" Turbo
merklich zum Komfort bei. Da das Triebwerk
außergewöhnlich leise ist und der Motor immer
Extrakapazität hat, wird das Schalten manchmal vergessen. Der
Verbrauch während der Testfahrten, sowohl auf der Autobahn als
auch auf der Landstraße, liegt bei vorbildlichen 5.5 Liter/100 km.
Design
Die Designer haben sich viel Mühe mit dem Innenraum
gegeben. Am meisten auffallend ist der Schaltknüppel. Dieser
Knüppel ist nicht in den üblichen Lederbezug
gefaßt. Anstatt dessen ist der Knüppel in
vollständig geschlossene Ebene gefaßt worden. Das ist
ein Extra unter dem Namen "Spaceball" und formt ein einfach
originales Design-Element.
|
Der Fahrersitz ist relativ hoch und die Farben des Innenraumes
sind hell und freulich. Deswegen fühlen sich die Insassenen
auch nicht eingeengt. Der S60 ist, genauso wie die anderen Volvos,
sehr eigenwillig im Bereich Design und Ergonomie ausgelegt. Ein
Beispiel dafür ist die Bordcomputerbedienung mit einem
Drehschalter an einem der Steuerungshebel, um einfach die Daten
durchzublättern. Die Ausstattung des Testautos ist dank
"Dynamic line" vollständig, mit u.a. links/rechts
getrennt regelbarer Klimaanlage, Sitzheizung,
Scheinwerfer-Wischern, Tempomat und einem Audiosystem.
Das Letztere verdient eine besondere Aufmerksamkeit. Das schon
früher gefahrene Volvo C70 Cabrio hat momentan das beste
Audiosystem eines Serienautos. Aber auch dieses viel einfachere
Audiosystem klingt ausgezeichnet. Der Klang ist voll und klar, das
Stereoabbild gut in der Balance und das Volumen ist ausreichend, um
-wenn gewünscht- kräftig zu feiern. Da die Sicherheit an
erster Stelle steht, kann man das ganze System S vom Lenkrad aus
bedienen. Die einzige Option die fehlt, ist ein Parksensor. Die
ansteigende Rückseite und die breiten Schultern machen das
Auto unübersichtlicher und deswegen ist so ein Sensor
besonders empfehlenswert.
Sicherheit
Wie bei jedem Volvo steht die Sicherheit an der ersten Stelle.
Die Marke folgt dabei ihrem eigenen Kurs. Laut Volvo ist der
populäre EuroNCAP Crashtest eine gute Richtlinie für die
Sicherheit, aber die Resultate sind nicht sehr befriedigend. Da
jedes Auto in der gleichen Art und Weise getestet wird, sind die
Resultate vergleichbar. Dies hat aber gleichzeitig auch den
Nachteil, daß sich die Produzenten nicht -auf den für
diese Tests wichtigen Punkte- konzentrieren können. Deswegen
entscheidet sich Volvo auch dafür, selber Tests
durchzuführen und die Sicherheit -so viel wie möglich- in
der Praxis abzustimmen. Aber, wie viele Kilometer auch mit dem
Testauto abgelegt worden sind, Sicherheit ist (zum Glück?) nie
getestet worden. Eine gute aktive Sicherheit beansprucht die
passive Sicherheit nicht. Gerade in diesem Bereich punktet der S60
sehr hoch.
Fazit
Der Volvo S60 bietet einen sportlichen Komfort. Damit bietet das
Auto merklich mehr Fahrvergnügen, als ein durchschnittlicher
Volvo. Es geht hier ausdrücklich um eine Nuance, weil der S60
kein Sportwagen sondern vor allem ein komfortabler
Reisegefährte für die (sehr) langen Strecken ist. Das
wird zusätzlich noch durch seinen schönen, wie auch
luxuriösen Innenraum angenehm untermalt. Schließlich
fährt Volvo auch einen eignen Kurs im Bereich Sicherheit, so
daß der Fahrer weiß, daß jede Fahrt auch ein
sicheres Ende hat.
|