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Ein neues Auto ist immer besser als der Vorgänger. Logisch,
anders wäre es sinnlos ein neues Auto auf den Markt zu
bringen. Was weniger logisch ist, daß praktisch jedes neue
Auto besser zu sein versucht, durch dasselbe Ziel auf die gleiche
Weise zu erreichen. Das Einzigartige bei BMW ist, daß diese
Marke auf eine ganz andere Art und Weise das gleiche Ziel erreichen will.
Ein erstes Beispiel davon ist "iDrive", das
Bedienungssystem, das sein Debüt im 7er hatte. Es spart
Schalter und der Innenraum ist dadurch viel ruhiger. Außerdem
fällt auf, daß der Innenraum ein bißchen das
Gefühl gibt, niedriger als beim vorherigen 5er zu sein.
Genauso wie sein Äußeres ist auch der Innenraum eine
Harmonie aus gewölbten Flächen. Der Materialmix ist
schick, aber nicht mit den üblichen Nussbaumholz
ausgeführt. Trotz des Erneuerungsdranges traute sich BMW
leider nicht die Geschwindigkeitsanzeige und den Tachometer in die
Mitte zu platzieren und es fehlt die
Kühlwassertemperaturanzeige. Statt dessen ist der rote Bereich
der Gradskala des Drehzahlmessers variabel und verschiebt sich,
wenn der Motor wärmer wird.
iDrive
"iDrive" besteht aus einem Drehschalter und einem
Menüknopf in der Mittelkonsole. Ein Farbschirm mitten auf dem
Armaturenbrett gibt alle erforderlichen Funktionen wieder. Die
Funktionen sind in Menüs, jedes mit eigener Farbe, eingeteilt.
Durch das Drehen und Drücken des Zentralschalters kann man die
Menüs durchblättern, wie auf dem PC mit der Maus. Die
wichtigsten Menüs sind für das Telefon (mit integriertem
Bluetooth), das Audiosystem, das Klimakontroll- und
Navigationssystem. Das letztere ist u. a. mit den Funktionen des
Bordcomputers verbunden.
Obwohl das Navigationssystem DVD basiert ist, ist die Wiedergabe
nur auf einen Pfeil und eine begleitende (fast schwule) Stimme
begrenzt. Das reicht bestimmt aus, um jeden Bestimmungsort zu
finden, aber der 6.5" Bildschirm könnte auch eine Karte
darstellen. Nach Karte fahren gibt dem Fahrer einen besseren
Einblick in die komplexen Situationen und auch einen besseren
Eindruck der Umgebung. iDrive bietet auch die Möglichkeit
verschiedene Präferenzen hinsichtlich des Autos zu bestimmen.
Das betrifft z.B. Signale beim Öffnen / Schließen der
Türen, das Verhalten der Klimaanlage oder die Meldungen
über den technischen Zustand des Autos. iDrive ist immer
einfach und logisch, aber so umfangreich (und hübsch) das
empfohlen werden sollte, sich zuerst mit dem Auto vertraut zu
machen und dann erst zu fahren.
Wie auf Schienen
Die Neuheiten begrenzen sich nicht auf die Ergonomie, auch das
Fahren mit dem 5er ist erneuert worden. Unter dem Namen "Active
Front Steering" erneuert BMW selbst die Lenkung. Das System
sorgt dafür, daß die Lenkung bei niedriger
Geschwindigkeit sehr direkt ist, und bei hoher Geschwindigkeit
gerade indirekt. Die Reaktion des Lenkrades ist dadurch nicht mehr
bei allen Geschwindigkeiten gleich. Das scheint auf den ersten
Kilometern eine Gefahrgarantie zu sein, aber ab den ersten Metern
funktioniert dieses System intuitiv richtig und von einer
Eingewöhnung keine Rede mehr. Der größte Vorteil
zeigt sich in der Stadt, wo Active Front Steering dieses
große Auto viel handlicher macht. Ein Minikreisverkehr
bedeutet jetzt eine kleine Lenkradbewegung, anstatt
umständlich das große Auto durch zu kleine Kurve zu
führen. Ein anderer Effekt ist, daß man das Auto
besonders direkt steuert und dem Fahrer das Gefühl gibt, die
komplette Kontrolle zu haben. Auf der Autobahn ist der neue 5er
richtig gutmütig und ruhig.
Die Straßenlage hängt auch mit anderen Neuerungen von
BMW zusammen (obwohl in diesem Fall die Marke nicht einzigartig
ist). Durch den Gebrauch von Aluminium und anderen
gewichtreduzierenden Materialien, ist der 5er wesentlich leichter
als sein Vorgänger. Das Auto ist durch seinen Umfang noch
immer ruhig und stabil, aber nicht massiv oder dickleibig, wie
andere Autos dieser Klasse. Sicherlich ist er kein
leichtfüßiger oder lebhafter Sportwagen, aber die Worte
"agil" und "geschmeidig" sind hier genau richtig. Außerdem
merkt man, daß das kein Auto ist, daß sich nur dank
viel Elektronik bequem fahren läßt. Das Testauto ist
niedriger und mit dem optionalen "Dynamic Drive"
ausgestattet, was die Straßenlage durch aktive Stabilisatoren
noch mehr verbessert. Die Straßenlage ist schlichtweg
ausgezeichnet. Es ist deutlich, wie das Auto der Spur bis zu hohen
Kurvengeschwindigkeiten folgt und wie letztendlich die Elektronik
eingreift, wenn der Fahrer zu weit geht. Nur auf welliger
Fahrbahndecke oder nach einer Pause direkt nach den hohen
Geschwindigkeiten, ist die Kutsche in einen bestimmten Rhythmus zu bringen.
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Übermacht
Die Straßenlage ist nur ein Teil der Erfahrung. Für
die neuen Dieselmotoren hat BMW etwas getan, was dem Fahrer das
Gefühl gibt, mit etwas unterwegs zu sein, was zwischen einer
Diesellokomotive und einem Formel 1 Auto anzusiedeln ist. Das
bedeutet: die Power der Diesellokomotive und die Schnelligkeit des
Formel 1 Autos ist in den neuen Motoren vereinigt. Der 3-Liter
Diesel hat 218 PS und -viel wichtiger- nicht weniger als 500 Nm Drehmoment.
Man gibt etwas Gas und der 6-Zylinder preßt die Insassen
sanft in die Sitze. Man gibt noch mehr Gas und der Motor
preßt die Insassen noch tiefer ins Leder. Drückt man
anschließend das rechte Pedal bis zum Fußboden, hat das
Triebwerk noch immer genügend Reserve, um den Fahrer und den
Passagier noch tiefer in die Sportsitze zu pressen. Die
Geschwindigkeit, bei der man Gas gibt, spielt keine Rolle, die
Übermacht des Motors ist enorm und der Klang
respekteinflößend. Für den Sprint von 0 auf 100
km/h braucht dieser Diesel nur 7.3 Sekunden. Die Benzinvariante ist
sogar noch 0,2 Sekunden schneller! Im Gegensatz zu einem schnellen
Benziner, ist dieser Diesel außerdem nie aggressiv oder nervös.
Die Power wird auf die Hinterräder mit
6-Gang-Schaltgetriebe übertragen. Dies ist ganz nach Wunsch
automatisch oder sequentiell zu bedienen. Schade, daß eine
moderne Maßnahme das Schalten sehr leicht macht, was den Sinn
und die Zufriedenheit von selber schalten vermindert (Bremsen mit
dem Motor hat kaum eine Wirkung). Außerdem sind beim
sequentiellen Schalten Plus und Minus aus dem Gefühl heraus
vertauscht. Die Konsequenz ist, daß selber Schalten nach
Gefühl garantiert mißlingt.
Sehr gut
Schließlich ist auch das Äußere erneuert. Der
neue Stil von BMW ist nicht rund und computergeneriert, sondern
eine gewagte Abwechslung zwischen hohlen und gewölbten
Flächen, getrennt durch scharfe Linien. Im Gegensatz zum 7er,
strahlt der 5er nicht nur Power aus, sondern auch Geschmeidigkeit
und - im Fall von diesem schwarzem Auto- Eleganz. Die Nase ist
durch bös blickende Scheinwerfer gezeichnet, mit einer Art
Augenbrauen darüber, vor den Blinkern.
Da dieser Newcomer gerade erst im Ausstellungsraum steht, hat
das Testauto großes Aufsehen erregt. Ein Fahrer ging sogar
soweit, auf einer viel befahrenen Autobahn längere Zeit neben
dem Testauto herzufahren. Die Insassen haben abwechselnd eine Hand
mit fünf Fingern und dann zwei Hände mit insgesamt sieben
Fingern hochgehoben, um zu fragen, ob es ein 5er oder ein 7er sei.
Unsere Antwort war eine Hand mit fünf Fingern. Darauf kam ein
hochgestreckter Daumen zurück.
Fazit
Alles ist im neuen 5er BMW erneuert; von der Bedienung der
Blinker und der Scheibenwischer, über iDrive bis zum
einmaligen "Active Front Steering". Das Äußere
ist gewagt, der Innenraum ein Beispiel für Schlichtheit und
Eleganz. Schließlich ist die Dieselausführung schnell
und respekteinflößend. Sie gibt dem Wort "Diesel"
für immer ein anderes Gefühl. Anders sein ist nicht nur,
um sich zu unterscheiden, sondern vor allem, um besser zu sein. Die
Geschichte lehrt uns jedenfalls, daß nur derjenige, der sich
tatsächlich Veränderungen zutraut, zu echtem Fortschritt
beitragen kann.
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