13 August 2004
Mitsubishi Grandis

Mitsubishi Grandis

Der grandiose Grandis

Autotest | Nur wenige würden einen MPV (Multi Purpose Vehicle) als ultimatives Traumauto kaufen. So ein großes Auto ist praktisch und wie der Name bereits sagt vor allem...vielseitig und geräumig. Obwohl sich jeder Hersteller bemüht, das Beste aus dieser Pflichtnummer zu machen, nagt trotzdem das Gefühl, daß es ein "Muß" ist. Mitsubishi möchte nun eine Abwechslung mit dem Grandis bringen.
 

Space Star, Space Runner, Space Wagon; der Mitsubishi-Händler ist wortwörtlich Großabnehmer von Vans. Wer fragt, welche Unterschiede es zwischen all den Space-Modellen gibt, wird mit einer unnachahmlicher Geschichte traktiert, nach der nur der Eindruck bleibt, daß Mitsubishi ein "umfangreiches" Angebot für Familien hat. Aber frag 'mal den gleichen Händler, in welches Marktsegment man den "Grandis" einordnen muß - der zuerst sprachgewandte Verkäufer ringt plötzlich nach Worten. Diesmal liegt es aber nicht am Namen, der Grandis ist an erster Stelle einfach...Grandios.

Mitsubishi Grandis

Die Gründe dafür, warum der Verkäufer (Entschuldigung: Verkaufsberater) weder ein noch aus weiß, ist sein Design. Der Grandis ist als Version für 6 und 7 Personen erhältlich, aber er ist trotzdem kein plumper Lieferwagen. Der Grandis ist lang, schmal und elegant. Und genau das ist der stärkste Punkt: Mitsubishi besiegt die Konkurrenz mit Glanz und Gloria, wenn es um das Design geht. Neben dem Grandis sieht jeder andere MPV massiv und quadratisch aus. Die Frage ist jedoch, ob der windschnittige "Body" des Grandis genauso viel Platz bieten kann, wie der quadratische und bis zum letzten Winkel genutzte Durchschnitts MPV.

Design

Das Einsteigen ist auf jeden Fall vielversprechend. Beim Fahrer kommt fast ein Gefühl auf, als ob er auf der Brücke eines Flugzeugträgers Platz nehmen würde. Ein enormes Cockpit streckt sich vor den Insassenen aus. Und die Windschutzscheibe ist einen ganzen Meter von den Vordersitzen entfernt.

Das Design hat etwas Widersprüchliches. Einige der verwendeten Teile sind schlichtweg futuristisch, andere allerdings richtig konservativ. Zur ersten Kategorie gehört die Grundform des Armaturenbrettes, die große Mittenkonsole und die Graphiken des Navigationssystems (das abgesehen von der Renommiere-Ausstattung auch in funktionaler Hinsicht eine Empfehlung ist). Das Radio, das Lenkrad und die Instrumente sind richtig altmodisch und könnten direkt aus einem der alten Space-Modelle sein.

Platz

Das Unbehagliche beschränkt sich auf das Äußere. Ergonomisch ist das Auto gut durchgedacht. Der Platz Vorne ist natürlich enorm, aber alle Knöpfe und Schalter sind gut zu erreichen. Der einzige Punkt, der kritisiert werden kann, ist die störende Reflexion des Cockpits in der Frontscheibe. Aber das ist ein Problem, das fast jedes Auto mit einem dunklen Armaturenbrett und Glasflächen in der Größe eines Schaufensters hat.

Durch die traditionelle, hintere Tür (leider keine Schiebetür) ermöglicht der Grandis ein sehr bequemes Einsteigen in die erste Reihe der Rücksitze. Die hier gefahrene 6 Personen Version hat nämlich keine Rücksitzbank, sondern zwei sogenannte "Captain Chairs". Das ist ein schönes Wort, um anzudeuten, daß es nicht nur einfach Sitze, sondern vollkommene und extrem bequeme Sessel sind. Mit etwas mehr Beinfreiheit könnte man sie aber noch mehr genießen.

Zwischen diesen zwei losen Sitzen, gibt es genügend Platz, um nach Hinten durchzulaufen. Hier zeigt es sich wieder, daß auch Mitsubishi nicht das Unmögliche leisten kann. Der Grandis ist geräumig, aber seine schmalen äußeren Abmessungen bedeuten auch "schmale" Innenraummaße. Vor allem läßt die Kopffreiheit, unterm einem so schön abfallenden Dach, auf den hinteren Sitzen, doch noch etwas zu wünschen übrig.

Bei sechs Sitzplätzen gibt es leider keinen Kofferraum für Sechs. Außerdem gibt es, als Standard, im Kofferraum eine Abdeckung. Wenn man sich für 6 Sitzplätze entschieden hat, liegt diese dann leider im Auto herum. Die Rücksitzbank läßt sich einfach hochklappen und dann entpuppt sich der Grandis als ein sehr großzügiger Kombi. Der Kofferraum ist nicht flach, aber doch überwältigend "Grandios".

Fahren

Mangels der sechs Freiwilligen, wurde der Grandis vor allem als Lastauto gebraucht. Das Testauto wurde mit Paketen, Hausrat und großen Einkaufstüten vollgepackt und dann durfte er es durch ganz Deutschland kutschieren. Für den echten Vielfahrer kommt bald ein Dieselmotor, aber der jetzt schon lieferbare 2.4-Liter Benziner genügt vollkommen. Flottes Einfädeln oder Überholen ist absolut kein Problem. Auf der Autobahn gleitet der Grandis so schön, wie sein aerodynamisches Äußeres vermuten läßt. Auch die Fahrgeräusche sind gering und das trägt in großem Maße zum Komfort bei.

Wer den Grandis als extra geräumigen Kombi wählen sollte, wird keinen Komfortunterschied zu einem Kombi im gleichen Preissegment finden. Trotz des vorteilhaften Designs, sind die Fahrqualitäten nicht auffallend besser als die bei einem gewöhnlichen Van oder "full size MPV". Der Fahrer ist sich beim Grandis immer davon bewußt, mit einem großen Auto unterwegs zu sein.

Mitsubishi Grandis

Fazit

Der Grandis ist der erste, echt anziehende MPV. Bei einer große Käufergruppe ist der Grandis deswegen hoch auf der Wunschliste plaziert und es bleibt nur noch eine Frage übrig: Fährt er auch gut?"

Im Vergleich mit einem Midi MPV sorgt der lange Achsstand für eine ruhige Straßenlage. Gemeinsam mit dem großzügig bemessenem Motor erlebt man den Komfort des Grandis wie einen großen Fortschritt. Wer bisher einen "full size MPV" fährt, wird zwar etwas vom Platz abgeben müssen, aber ein günstiger Preis gleicht es dann aus. In beiden Fällen wird sein äußeres Design sein Durchbruch werden und das verspricht eine grandiose Zukunft für den Grandis zu werden.

plus
  • Sehr komfortabel
  • Obwohl geräumig, kein Familienwagen
min
  • Keine Schiebetüren
  • Kopffreiheit hinten eingeschränkt
  • Cockpit reflektiert in der Frontscheibe