Die Grüne Zitrone
Grüne Sitze, grüne Gurte, grüne
Zifferblätter, grüne Rücksitzbank, grüne
Türfüllungen, grüne Türgriffe, grüner
Airbag, grün getönte Scheibe, grüne Gepäcknetze
und ein grüner Schaltknüppel: Citroën hat alles
getan, um diese erste Berlingo-Serie besonders "anzuziehen". Unter
dem Namen "Série Premiére" muss dieser
luxuriöse und fröhlich "blickende" Berlingo den
Käufer auf seine Seite bringen.
Die Ausstattung ist umfangreich mit Zentralverriegelung mit
Funkfernbedienung, elektrischen Fensterhebern (vorne), zwei
Airbags, Tempomat, Klimaanlage, automatisch abblender
Innenbeleuchtung, Drehzahlmesser und Radio/CD-Spieler mit Lenkrad-
Bedienung. Der linke Außenspiegel wird manuell verstellt. Da
der Fahrer keine meterlangen Arme hat, wird der rechte Spiegel
elektrisch reguliert.
In einigen Punkten ist dieser neue Berlingo noch eine etwas
unreife Zitrone, sprich: Grün. So bleiben einige typische
französische Sachen ungewohnt, egal wie oft sie auch in den
Testautos auftauchen. Das störendste ist die Einteilung der
Tachoskala, auf der 110 und 130 Km/h (in Frankreich sehr
gängige Geschwindigkeiten) mit Zahlen fixiert worden sind,
aber die deutschen 100 Km/h nicht. Der kombinierte Schalter
für Blinker und Fernlicht kann nur benutzt werden, um nur
einmal mit einem präzisen Timing aufzublenden. Zu lang oder zu
kurz und das Fernlicht bleibt an.
Der Tempomat dieser ersten Berlingo Serie hat die
merkwürdige Eigenschaft, die Geschwindigkeit nicht exakt zu
halten. Während der Fahrt fühlt man kontinuierlich, wie
die Elektronik Gas gibt, die Geschwindigkeit etwas abfällt und
danach wieder Gas gegeben wird. Auf dem Tacho führt das zu
Abweichungen von der gewünschten Geschwindigkeit von
ungefähr 5 Km/h. Die in der Wölbung des Autos
verarbeitete Tankklappe sieht zwar sehr schön aus, aber beim
ersten Tanken braucht man sehr viel guten Willen, um sie wieder auf
den Platz zurück zu platzieren.
Positives Gefühl
Genug Kritik, der Berlingo versteht es gut zu überzeugen.
Um anzufangen: das Auto ist - selbstverständlich -
geräumig. Das neu entworfene Armaturenbrett ist funktionell,
mit einer spielerischen Farbkombination (die Farbe sollte
inzwischen deutlich sein) und ein paar schönen
Styling-Details, wie der futuristischen Lüftungskugel, die man
auch im C3 findet. Obwohl der Innenraum kein Design-Höhepunkt
ist, ist er fröhlich und funktionell und passt damit zur
Ausstrahlung des Autos.
Wer nicht mit einem positiven Gefühl einsteigt, hat es
bestimmt beim Platznehmen im Innenraum. Der Fahrer sitzt, wie ein
LKW-Fahrer, hoch hinter einem ziemlich flach platzierten Lenkrad.
Der Platz vorne ist groß, die Kopffreiheit gigantisch. Der
Platz über der Windschutzscheibe wurde für eine
große, nützliche Ablage verwendet. Deswegen, da dieser
Platz vom Vordersitz so einfach zugänglich ist, war dieses
"Modutop" sehr schnell bis zum Bersten voll ( wörtlich
und bildlich).
Der Zugang zur Rücksitzbank wird durch zwei
Schiebetüren verschafft. Das ist besonders auf engen
Parkplätzen sehr bequem, wo enthusiastische Kinder jetzt nicht
mehr unbeabsichtigt ein anderes Auto mit einer geöffneten
Tür beschädigen können. Über den
Seitentüren befinden sich Ablagen mit Netzen. Der Platz auf
der Rücksitzbank ist gut, aber nicht so
überwältigend wie vorne. Die Kopfstützen bieten auch
Erwachsenen eine echte Unterstützung und tragen damit zur
Sicherheit bei. Sehr geschickt sind die Klapptische in der
Rückenlehne der Vordersitze untergebracht, obwohl die sehr
hart für die Knie der (sehr) großen Passagiere hinten sind.
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Standard misst der Kofferraum 624 Liter. Die Rücksitzbank
lässt sich schnell und einfach hochklappen, wonach der ganze
Kofferraum bis auf 2800 Liter wächst. Im Kofferraum befindet
sich ein kleiner ausklappbarer Einkaufswagen "Modubox", wie
auch beim Xsara Picasso. Man muss aufpassen, dass man (genauso wie
bei anderen Marken) von der angegebenen maximalen Zuladung von 614
kg, das Gewicht der Insassenen, Tankfüllung und Gewicht der
Zusatzausstattung abziehen muss.
Fahreigenschaften
Das "Série Premiére"-Testauto ist der
luxuriöseste Berlingo und deswegen ist er auch mit dem
stärksten Benzinmotor ausgestattet. Der 1.6-Liter 16V liefert,
für diese Klasse, sehr großzügige 110 PS und macht
aus dem Berlingo ein flottes Auto. Der Motor hat immer
zusätzliche Power vorrätig, um flott zu überholen
oder einzufädeln. Außerdem springt der Motor sogar nach
einer kalten Nacht direkt an. Unter Berücksichtigung der
Preisklasse des Autos, ist der Auspuffklang des 1.6-Liter Motors
sehr bescheiden.
Zu den flotten Leistungen dieses 1.6-Liter 16V gehört ein
Bremsenset, das eine ausgezeichnete Stoppkraft bietet. In der
Anleitung steht, dass das Auto vorne mit belüfteten Scheiben
und hinten "nur" mit Trommelbremsen versehen ist; der Effekt wird
dadurch aber nicht kleiner.
Die geschwindigkeitsabhängige Servolenkung trägt
weniger zum echten Fahrvergnügen bei, weil diese besonders in
der Stadt zu leicht ist. Deswegen "fühlt" der Fahrer das Auto
vor allem durch den "Hintern" und nicht durch die Vorderräder.
Dann wird deutlich spürbar, wie sich das hohe Auto zwar in der
Kurve neigt, aber die Räder immer stabil und fast stur am
Boden haften. Die Motorkapazität und das sehr gute Fahrgestell
geben dem Berlingo deswegen schließlich mehr
Fahrvergnügen, als zunächst von einem günstigen
"Multispace" erwartet werden kann.
Fazit
Das neueste Facelift hat dem Citroën Berlingo gut getan.
Den Fortschritt findet man nicht so ganz an seinem Platz; der war
enorm, bleibt enorm und ist jetzt vor allem intelligenter benutzt
worden. Aber da, wo der vorherige Berlingo eine attraktive
Alternative für einen MPV oder einen geräumigen PKW war,
ist der Unterschied jetzt noch kleiner geworden. So ist der
Schallpegel niedriger, die Ausstattung kompletter, der Motor
stärker, die Straßenlage stabiler und das
Sicherheitsniveau, wie man es von einem modernen Auto erwarten
kann. Das neue Innenraum-Styling und sein attraktives
Äußere machen den Berlingo gänzlich "in", so dass
Citroëns "Grünschnabel" jetzt erwachsen geworden ist.
(Ivo Kroone)
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