25 April 2017
Skoda Kodiaq

Skoda Kodiaq

Bärenstark

Autotest | Geländefähige Fahrzeuge sind stark, funktionell und unbesiegbar. Allmählich aber werden Geländewagen luxuriöser, und das Abenteuer hat für reines Prestige Platz gemacht. Daher wurden diese Fahrzeuge Sport Utility Vehicle (SUV) genannt. Jetzt stellt Skoda, wie immer nüchtern und vernünftig, ein großes SUV vor: den Kodiaq. Ist der Kodiaq ein echter Skoda?
 

Ein großes SUV wird oft als Traumauto gekauft. Mit so einem großen und vor allem schnellen Auto zu fahren gibt einem ein Gefühl der Macht. Außerdem nötigt ein großes SUV die Außenwelt zu Respekt, und das kann sehr angenehm sein.

Ein Blick auf den Kodiaq macht sofort klar, wie der Skoda Kodiaq sich von den anderen großen SUVs unterscheidet. Das Design ist nicht cool oder auffällig, eher elegant und dezent. Zugleich macht die angehobene Motorhaube mit prominentem Kühlergrill deutlich, dass der Kodiaq bestimmt nicht schäbig ist.

Skoda Kodiaq

Platz

Der Innenraum ist ebenso gepflegt und kommt mit allem, was man in dieser Preisklasse erwarten darf, wovon aber nichts überflüssig ist. Genau so, wie es bei einem Skoda sein sollte! Und natürlich bietet der Kodiaq viel Cleveres, das den Alltag verschönert, den Preis aber kaum erhöht. Denken Sie dabei an ein doppeltes Handschuhfach, einen Schirmhalter in der Fronttür, Türkantenschutz und Kopfstützen mit Schlafposition.

Skoda Kodiaq

Der Platz vorne ist geräumig. Dies gilt nicht nur für den Kopf- und Fußraum, sondern auch für den Platz, um die Vordersitze zu bewegen. Der Fußraum im Fond ist so überwältigend, dass viele wie von selbst eine angenehme Position mit gestreckten Beinen einnehmen.

Das heißt, wenn der Rücksitz in der hintersten Position steht. Der hintere Sitz steht nämlich auf Schienen, so dass der Fußraum in der dritten Reihe von null bis gerade genug für junge Erwachsene reicht (von denen eine gewisse Flexibilität notwendig wird, um die dritte Sitzreihe überhaupt zu erreichen).

Skoda Kodiaq

Wenn die dritte Sitzreihe nicht benutzt wird, kann diese einfach in den Boden gefaltet werden. Dann bietet der Kodiaq 2.065 Liter Gepäckraum. Skoda behauptet, dass es der größte Gepäckraum in seinem Segment ist. Weil der Kodiaq sich mit seiner Länge von 4,70 Metern zwischen zwei Segmenten befindet (größer als der Audi Q5 und der BMW X3, aber kleiner als X5 und Q7), ist das eine Frage der Interpretation.

Infotainment

Unter den Namen "Skoda Connect" präsentiert Skoda neue Infotainment-Systeme, die dank einer Internetverbindung zusätzliche Funktionalität bieten. Standardmäßig bietet Skoda aber nur die üblichen Audio-, Navigations- und Kommunikationsfunktionen. Optional können Lautsprecher und ein Verstärker von Canton gewählt werden, die echte HiFi-Qualität mit einem kristallklaren Klang bieten.

Lustiges Detail: Da der Kodiaq so geräumig ist, ist ein System erhältlich, das die Stimmen der Fahrer und Beifahrer verstärkt, so dass diese auch im Fond zu hören sind.

Skoda Kodiaq

Für die Verbindung mit Smartphones unterstützt Skoda Carplay Apple, Android Auto und das bereits veraltete MirrorLink. Aber auch ohne Smartphone ist der Kodiaq in der Lage, sich mit dem Internet zu verbinden, und dann stehen aktuelle Kraftstoffpreise, Verkehrsinfos, Nachrichten und Wettervorhersagen zur Verfügung. Darüber hinaus können Satellitenbilder von Google Earth in den Karten des Navigationssystems angezeigt werden, was das Navigieren noch einfacher macht.

Benziner

Zur Zeit ist der Kodiaq mit fünf verschiedenen Motoren erhältlich: zwei Diesel- und drei Benzinmotoren. Der leichteste Benziner verfügt über eine Kapazität von nur 1,4 Litern, was im Hinblick auf die Größe des Kodiaq eine abenteuerliche Wahl zu sein scheint. In der Praxis jedoch entspricht die Leistung von 150 PS / 250 Nm dem Auto perfekt: mehr als ausreichend, aber auch kein Übermaß.

Skoda Kodiaq
Skoda Kodiaq

Der Fahrer bekommt dabei nicht das Gefühl, mit einem Einstiegsmodell zu fahren, aber gelegentlich (zum Beispiel bei Zwischenbeschleunigungen auf der Autobahn) muss der 1.4 TSI härter arbeiten als ein durchschnittlicher Motor. Bei einer Testfahrt mit einer breiten Palette an Situationen wie Autobahnen, Stadtverkehr und Landstraßen hielt sich der Verbrauch bei respektablen 6,7 Litern pro 100 km.

Der 2.0 TSI liefert 180 PS / 320 Nm, aber in der Praxis ist der Unterschied zum 1.4 TSI enttäuschend gering. Der leistungsstarke Motor beißt bei hohen Geschwindigkeiten leicht besser und hat etwas mehr Reserve, die Unterschiede aber sind gering. Darüber hinaus erreicht der kleinere Motor schneller höhere Drehzahlen und hat daher einen lebhafteren Charakter.

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Der Testverbrauch beim 2.0 TSI mit Automatik und Allradantrieb ergab 7.6 Liter pro 100 km.

Diesel

Es ist zu erwarten, daß der 2,0-Liter-Dieselmotor die meistverkaufte Variante sein wird. Im Vergleich mit dem Benzinmotor fehlt dem Dieselmotor die Verfeinerung, das heißt, dass der 2.0 TDI deutlicher hörbar und spürbar ist. Der Unterschied zu den so genannten 'Premium'-Modellen der anderen Marken ist daher offensichtlich, aber das ist der Preis eben auch.

Mit dem 150-PS-Dieselmotor (es gibt auch eine 190-PS-Variante) wurde die gleiche Strecke absolviert wie mit den beiden Benzinern, und diesmal lag der Testverbrauch bei 5,7 Litern pro 100 km.

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Fahreigenschaften

Der Kodiaq ist mit einem Standard-Fahrgestell und einem Fahrwerk mit variabler Dämpfung lieferbar. Das Standard-Fahrgestell ergibt beim Kodiaq wiederum ein ganz anderes Gefühl als bei den teureren Konkurrenten. Wo sich der Wettbewerb groß anfühlt, ist der Kodiaq nur groß. Und während andere große SUVs mit einer gewissen Verzögerung reagieren und so ein erhabenes Gefühl erzeugen, sind die Fahreigenschaften des Kodiaq mit jenen kleinerer SUVs vergleichbar.

Daher unterscheiden sich die Fahreigenschaften sehr stark von einem der anderen großen Autos von Skoda, nämlich dem Superb. Wer meintt, dass der Superb zu weich gefedert sei und zu träge auf dem Fahrer reagiere, wird sich beim Kodiaq wohler fühlen.

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Wählt man den Kodiaq mit variabler Dämpfung, entspricht die Straßenlage im neutralen Modus der des Standard-Fahrgestells. Im Komfortmodus ist der Kodiaq gutmütiger, wobei das Fahrzeug im Sport-Modus deutlich schärfer reagiert.

Geländefahren

Optional kann der Kodiaq mit Allradantrieb ausgestattet werden. Da der Kodiaq aber in erster Linie als geräumiges und flexibles Reiseauto gedacht ist, wird er damit bestimmt nicht zum unbesiegbaren Geländefahrzeug. Es stehen daher auch keine Gelände-Techniken wie eine Differenzialsperre oder niedrige Drehzahl zur Verfügung.

Dennoch bietet Skoda elektronische Systeme, die das Gelände-Fahren einfacher machen. So werden zum Beispiel das Fahrgestell, die Reaktion auf das Gaspedal und das ABS angepasst. Skoda bietet auch eine 'Bergabfahrhilfe', die bei einer sicheren Abfahrt im Gelände hilft, und zwar ohne das Risiko, die Räder zu blockieren und dabei die Kontrolle über das Auto zu verlieren.

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Und der Name? Der Kodiak (mit einem 'k' am Ende) ist ein Bär, der Kodiak Island in Alaska dominiert. Skoda will mit dem Kodiaq das Gleiche im Bereich der großen SUVs erreichen. Er gibt diesem nüchternen Skoda außerdem noch eine abenteuerliche Note.

Fazit

Skoda hat es zuerst mit dem Superb gemacht und jetzt wiederholt es den Trick mit dem Kodiaq. Am obersten Ende des Marktes stellt Skoda kein Prestige-Modell vor, sondern ein sehr funktionelles Fahrzeug.

Jedes Mal bietet Skoda alles, was notwendig ist, aber nichts Überflüssiges. Die Motoren sind stark genug und überzeugen eher mit günstigen Verbrauchszahlen statt überwältigender Leistung. Die Ausstattung ist funktionell statt üppig. Die Fahreigenschaften sind in Ordnung, aber ein Gefühl der Größe bleibt aus. Und somit ist der Kodiaq eben auch ein echter Skoda!

plus
  • Moderne Technik
  • Sehr geräumig
  • Zivilisiertes Aussehen
min
  • Viele mechanische Geräusche hörbar
  • Dritte Sitzreihe nur für Kinder geeignet