16 August 2015
Volkswagen Multivan

Volkswagen Multivan

Netter ging nicht, aber dafür handlicher

Autotest | Mit viel Tamtam stellt Volkswagen den neuen Transporter vor. Zunächst wurde die Weltpresse in die Niederlande eingeladen, um den T6 (die sechste Generation Transporter) während einer schillernden Show vorzustellen. Jetzt kommt die Weltpresse nach Stockholm, um tatsächlich mit dem Transporter zu fahren. Aber was ist so besonders an dem Transporter? Es ist doch nur ein Bus für Bauarbeiter und Klempner? Oder hat der T6 vielleicht doch mehr zu bieten?
 

Was der Transporter zu bieten hat, ist Vielseitigkeit. Volkswagen ist mit Abstand Marktführer in diesem Segment, und das unter anderem aufgrund der großen Zahl von Varianten, in denen der Transporter lieferbar ist.

So gibt es den Transporter zum Beispiel mit kurzem und langem Radstand. Mit oder ohne erhöhtem Dach. Mit Schiebe- oder Falttüren. Mit einer Einzel- oder Doppelkabine, geschlossenem Laderaum oder als Pickup. Diesel oder Benziner. Frontantrieb oder Allradantrieb. Und als Luxus ... "Multivan" für den Personentransport.

Volkswagen Multivan

Bullig

Und um es noch schöner zu machen, ist der letztere während der Vorstellung in einer schönen "Generation Six"-Ausführung erhältlich. Diese Variante gibt es in zwei Farben auf der Basis der Farbgebung des Klassikers, des "Bulli" (einer Kombination aus "Bu(s)" und "Li(eferwagen"), mit dem im Jahr 1950 alles angefangen hat. Ein kleiner Hinweis auf diesen Prototypen sind die Felgen mit weißen Akzenten, so dass er den weißen Backen der Reifen der Zeit ähnelt.

Ein Standard-Transporter hat ein einfaches, solides Interieur, das dazu gedacht war, viele Jahre intensiven Gebrauchs durchzustehen. Darüber hinaus ist die Kabine so funktional wie möglich eingerichtet, mit offenen Behältern und Ablageflächen (nur schade, dass das Handschuhfach so klein ist).

Volkswagen Multivan

Der Innenraum des Multivan ist völlig anders. Es ist auf dem gleichen Niveau wie das der PKW von Volkswagen. Und als "Generation Six" ist dieses noch schöner mit Akzenten in der Farbe des Autos, schönen (beleuchteten!) Einstiegsleisten und zwei großartigen Sitzen (anstelle des normalen Zwei-und-ein-halb-Sitzes bei Wagen dieser Art).

Von nun an verfügt der Transporter über viele der Luxus- und Sicherheits-Vorkehrungen eines PKW. Denken Sie an aktive Geschwindigkeitsregelung (automatisches Abstandhalten), aktiver City-Stop (automatisches Bremsen bei Gefahr in der Stadt) und Fernlichtassistent (automatisches Fernlicht, ohne den Gegenverkehr zu blenden). Auch das "Infotainment"-System ist eines der letzten Generation mit Unterstützung für Apple Carplay und Android Auto.

Volkswagen Multivan

Der Multivan bietet auch im Font den notwendigen Luxus. Die großzügigen Sitze stehen auf Schienen und können nach Bedarf im großen Innenraum verteilt werden. Darüber hinaus bietet der Multivan viele Ablageboxen und Tische, und die Klimaanlage ist nach hinten erweitert. Somit ist der Multivan nicht nur geräumiger, sondern auch luxuriöser als selbst der größte MPV.

Wenn der Transporter als Nutzfahrzeug konzipiert ist, ist die Ladefläche -auf Wunsch des Kunden- exakt gleich wie bei der vorherigen Generation. Dies ermöglicht, dass kundenspezifische Anpassungen (Teile-Regale, Werkzeugkästen usw.) problemlos auch in dem neuen Transporter installiert werden können.

Fahreigenschaften

So schön die Einrichtung auch ist, vom ersten Meter der Testfahrt an fällt auf, dass der Multivan ein Minivan ist und kein PKW. Nicht nur, dass man anders hinter dem Lenkrad sitzt. Der Körper lehnt sich viel mehr über als in einem Personenwagen (oder MPV).

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Der Grund dafür ist, dass der Transporter eine gute und sichere Fahrt gewährleisten muss, trotz unterschiedlicher Belastungen. Die meisten Autos werden nur selten maximal belastet, daher besteht auch weniger Bedürfnis nach einer Feinabstimmung des Fahrgestells. Außerdem ist das Gewicht der Last eines Personenkraftwagens relativ klein. Der Transporter kann ungefähr sein eigenes Gewicht als Fracht mit sich rummschleppen!

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Während der Testfahrt wurden 500 kg an Last transportiert. Und dann ist der Transporter ganz in seinem Element. Ohne Last ist der Druck auf die Hinterräder minimal, was beim Bremsen spürbar ist. Dennoch ist der Transporter im Ganzen viel toleranter als zuvor. Die Handhabung hat sich stark verbessert, und der Unterschied im Umgang zwischen beladenem und unbeladenem Zustand ist kleiner geworden.

Motoren

Wie bereits erwähnt, verdankt der Transporter seinen Erfolg unter anderem den vielen verfügbaren Varianten. Dieser Test beginnt bescheiden: mit dem 85 kW "Blue Motion". Dies ist nicht nur das Einstiegs-Modell, sondern auch die wirtschaftlichste Ausführung.

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Die Leistung des leichtesten Diesels sind durchaus ausreichend, auch mit Ladung. Auch wenn die Drehzahl fällt, zeigt der 2,0-Liter-Diesel eine große Flexibilität. Um den Kraftstoffverbrauch zu senken, sind ein Start-/Stopp-System und ein Schaltindikator vorhanden. Letzterer zeigt nicht nur an, wann es Zeit ist, einen höheren Gang einzulegen, sondern auch, wann ein niedrigerer Gang gewählt werden sollte. Das ist wichtig, weil bei einem Bus mit einer schweren Last der Motor beschädigt werden kann, wenn die Drehzahl zu niedrig gehalten wird.

Die Testfahrt mit dem Transporter Bluemotion (inkl. 500 kg Last) verbrauchte 5,1 Liter pro 100 km (Hersteller: 5,7 Liter pro 100 km). Das ist sehr wirtschaftlich, nicht nur für ein Bus, sondern wäre auch kein schlechter Verbrauch für einen PKW!

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Ein bisschen größer ist der 110-kW-Dieselmotor. Ab dem Punkt, an dem das Kupplungspedal losgelassen wird, spürt man, dass dieser Motor seine Leistung mit mehr Leichtigkeit bringt. Während der Transporter Bluemotion schon mühelos mit dem Verkehr mitkommt, ist der Diesel mit 110 kW mühelos schneller als der übrige Verkehr!

Spitzenmodell

Das Spitzenmodell ist mit einem 150 kW-Dieselmotor ausgestattet, wahlweise in Kombination mit einem DSG-Getriebe. DSG steht für ein automatisches Doppelkupplungsgetriebe, das schnell und fast unmerklich schaltet.

Mit diesem stärksten Dieselmotor in der Front beschleunigt der Transporter wie ein Katapult. Er zieht buchstäblich die Steine aus der Pflasterung. Die reichlich vorhandene Leistung gibt dem Transporter einen Biss, der 400 Nm Drehmoment fügt da noch eine mächtige Zwischenbeschleunigung hinzu. Darüber hinaus ist der Multivan mit viel besserer Geräuschisolation ausgestattet als das Nutzfahrzeug, womit der Komfort eines PKW in Reichweite kommt.

Volkswagen Multivan

Fazit

Volkswagen stellt stolz die sechste Generation des Transporters vor. Außer einem modernen Aussehen hat der T6 auch eine sehr moderne Ausstattung. Viele der Luxus- und Sicherheitsmerkmale der Volkswagen PKW sind nun auch in diesem Fahrzeug vorhanden.

Dank moderner Motoren wurde die Leistung verbessert und der Verbrauch deutlich gesenkt. Natürlich sind die praktischen Möglichkeiten das Wichtigste. Die Ladefläche hat die gleichen Abmessungen wie zuvor, so dass alle bestehenden Modifikationsmöglichkeiten des T5 in den T6 übernommen werden können. Das Fahrgeräusch wurde reduziert und die Handhabung verbessert. Der Transporter (Multivan) fährt noch immer nicht wie ein PKW, aber der Unterschied im Umgang zwischen beladenem und unbeladenem Zustand wurde deutlich reduziert.

Kurz: Netter ging nicht, aber dafür handlicher.

plus
  • Geräumig, praktisch, robust
  • Luxus und Sicherheit wie beim PKW
  • Prima Leistungen, bescheidener Verbrauch
min
  • Keine technischen Neuigkeiten
  • Unhandlich kleines Handschuhfach
  • Fühlt sich beim Bremsen sehr schwer an