24 Februar 2000
 

Opel Frontera

Unentschieden

Fahreindrücke | Auf der Suche nach einem Geländewagen, um die Sahara zu durchqueren? Oder lieber eine Luxus-Limousine, um wie ein Fürst über die Landwege zu gleiten? Ein schnelles Auto mit einem dicken V6 vielleicht? Oder doch alles zusammen? Opel kombinierte all diese Merkmale im Opel Frontera. Aber für wen und vor allem warum?
 

Wer im Frontera Platz nimmt, hat mehr den Eindruck in einer Luxus-Limousine zu sitzen, als in einem Geländewagen. Gebettet in Ledersitzen, fehlt es den Passagieren an nichts. Wie bei einem Auto dieser Größe auch erwartet werden kann, ist das Platzangebot hinten überwältigend. Die Verarbeitungsqualität verrät aber, daß dieser Opel eigentlich ein Isuzu ist. Der Wagen wird zwar in England gebaut, hat aber die Ausstrahlung eines Top-Klasse Japaners und nicht die eines deutschen Herstellers. Eingebettet in ein funktionelles, aber leider wenig kreativ, gestaltetes Armaturenbrett, hat der Fahrer die Kontrolle über: Sitzheizung, einen Bordcomputer, Airconditioning, Einparkhilfe hinten und elektrische Fensterheber vorne und hinten. Was aber sehr befremdend ist, ist das ein Kompaß, Höhen und Neigungswinkelmesser nicht zur Ausstattung gehören.

Zeichenrickfilm

Auf der Autobahn ist der Frontera in seinem Element. Der Fahrtwind ist gut zu hören, genauso wie das V6 Triebwerk, aber keines von Beiden ist wirklich störend. Weil vor Glatteis im Radio gewarnt wird, wähle ich für den Test das spezielle Winterprogramm. Der Frontera beschleunigt darum etwas weniger enthusiastisch und man hört nun leider auch den permanenten Allradantrieb etwas. In der Stadt scheint es, als ob der Motorblock trotz seiner großen Power beim schnellen Anfahren alleine durchgehen würden. Es fühlt sich ein bißchen so wie in einem Zeichentrickfilm an, wo zuerst der Motorblock davonpricht und dann erst der Rest vom Auto folgt. Da der Testwagen Traktionskontrolle und ein Automatikgetriebe hat, kann jeder -pur mit dem rechten Fuß- beeindruckende Sprints hinlegen. Schön, aber schon wieder scheint es, als ob der Frontera kein Geländewagen wäre.

Zum Glück sind die PS auch sehr sinnvoll im Gelände. Der Frontera hat keinen Turbo oder Intercooler, so daß die versprochenen 206 PS auch direkt zur Verfügung stehen, wie sich das auch für einen Geländewagen gehört. Auch auf unmöglich steilen Matschhügeln, auf unserem Motorcross-Kurs vor der Tür, klettert der Frontera mühelos hoch. Sogar bei tiefen Modderpfützen auf dem Kurs, bahnt der Frontera sich problemlos einen Weg. Aber bei wirklichem Gelände, wo vorher noch kein Weg gebahnt wurde, bleibt der Frontera nach einigen Metern mit dem Bauch hängen und der Abschleppwagen muß uns herausziehen. Die Bodenfreiheit ist hier schlichtweg zu gering und auch die Ein- und Auslaufecken sind zu klein. Der Wagen wurde ganz deutlich für die Autobahn konzipiert, wenn auch Strand, Schnee oder Eis keine Probleme verursachen. Auch mit einem Anhänger hat der Frontera keine Mühe, die 3.2 Version darf maximal 2800 kg ziehen.

Opel Frontera

Fazit

Da die meisten Geländewagen nicht oder kaum im Gelände eingesetzt werden, hat sich Opel für ein Fahrgestell entschieden, daß besser auf Autobahnfahrten abgestimmt ist, als auf den Einsatz in unebenem Gelände. Als Luxus-Limousine überzeugt der Frontera. Der 3.2 V6 mit Automatikgetriebe ist das Serien-Topmodell des Frontera und hat jeglichen, erdenklichen Luxus an Bord. Sowohl in der Stadt als auch auf der Autobahn beweist der Frontera seine Eleganz als elegantes Reiseauto. Aber, mir sträuben sich schon alle Haare, wenn ich daran denke, diesen Giganten -mit dem Cw-Wert eines Ziegelsteins- wieder voll zu tanken...!

Ausreichend im Gelände und prima auf der Autobahn, ist der Frontera ein teurer Spaß für denjenigen, der sich nicht zwischen einer Luxus-Limousine und einem Geländewagen entscheiden kann. Der Wagen ist zwar in beiden Klassen gut, aber in jedem Punkt kann man ein anderes Auto finden, das besser oder preiswerter ist. Deswegen ist der Frontera präzise zwischen Luxus, Fahrkomfort und Off-Road Qualitäten abgestimmt, das vielleicht für ein kleines, auserlesenes Publikum gerade richtig sein kann.

plus
  • Geräumig
  • Sehr starker Motor
  • Kombination aus Luxus und Off-Road
min
  • Kräftiger Preis
  • Langweiliger Innenraum
  • Asozial hoher Verbrauch