7 Juli 2004
BMW 1er Reihe (2004 - 2011)

BMW 1er Reihe (2004 - 2011)

In einem Wort

Fahreindrücke | "Premium branding" bedeutet mehr für genau dasselbe zu bezahlen. Einige Marken bieten kompakte Autos für hohe Preise und nennen es dann "premium brand". Durch ein sorgfältig aufgebautes Image und etwas schönere Verarbeitung kann der Hersteller den Käufer davon überzeugen, dass ein ganz gewöhnliches Auto als "premium brand" plötzlich einen sehr hohen Mehrpreis wert ist. BMW tritt diesem höchst zweifelhaften Segment mit der 1-Serie bei. Ist diese 1-Serie ein BMW nur vom Namen und Preis her gesehen, oder bringt der Newcomer etwas mehr mit?
 

BMW hat einen guten Start. Die 1-Serie ist kein bestehendes Auto, das in "einem neuem Anzug" einen höheren Preis erzielen muss. Die Designer haben für die 1-Serie eine ganz neue Fußbodengruppe entwickelt. Insider können jedoch bestätigen, dass diese Bodenplatte mit leichten Anpassungen auch die Grundlage für die kommende 3-Serie sein wird.

Ungeachtet der "Serie", macht die typische BMW-Technik das Herz des Autos aus. Das Fahrvergnügen muss auch in kleinsten BMWs auf dem ersten Platz stehen. Deswegen hat man auch für die 1-Serie ein vertrautes Rezept von Hinterradantrieb und dem Motor vorne verwendet. Dabei wurden leichte Materialen verwendet, um das Auto nicht nur leicht zu machen, sondern auch um eine perfekte Gewichtsverteilung zu erreichen (50% auf den Hinterrädern, 50% auf den Vorderrädern). Ein für diese Klasse sehr langer Achsstand sorgt für ein distinguiertes Äußeres und auch für maximale Stabilität und viel Platz. Technisch gesehen ein viel versprechender Anfang. In einem Wort: Potential.

BMW 1er Reihe (2004 - 2011)

Ein Wort über den Platz

Man merkt beim Einstieg, wie viel Platz die 1-Serie bietet. Der Platz im Vorderbereich dieses "kleinsten" BMW ist in einem Wort: überwältigend. Mit dem Vordersitz in der hinteren Position sind das Lenkrad und die Pedalen Lichtjahre vom Fahrer entfernt. Die Sitze des Testautos (mit "Sportline"-Paket) sind in allen möglichen Richtungen verstellbar. Die Sitze sind tief, weich und bieten viel seitliche Unterstützung. Mit einem solchen Einstieg ist der erste Eindruck besonders gut.

Die Kopf- und Beinfreiheit hinten erhalten dagegen nur die Note "ausreichend". Auch der Kofferraum ist trotz einer auffallend einfach und schnell hochklappbaren Rücksitzbank nicht mehr als nur ein "ausreichend" wert. Dieser Kombi ist offenbar nicht als "Arbeitspferd" bestimmt. Ansonsten ist das Auto wegen tiefem Sitz, relativ kleinen Heckscheiben und der schräg durchlaufenden Heckseite des Autos etwas schwierig zu überblicken.

Obwohl die 1-Serie wortwörtlich als Basis des BMW-Programms dient, sind die Verarbeitung und das Design des Innenraums dem der teureren Modelle ähnlich. Auch die originelle Bedienung der Blinker und des Scheibenwischers ist direkt von den vorherigen Modellen übernommen. Sogar BMWs ausgezeichnetes iDrive-System (siehe Testbericht der 5-Serie) ist als Option lieferbar. Die 1-Serie ist der erste BMW mit einem Startknopf anstatt eines Schlüssels. Der Fahrer erhält nur einen "Würfel", der in die Aussparung rechts über dem Lenkrad passt. Danach nur die Taste betätigen (jedoch auf die Kupplung treten) – ausreichend, um den Motor zu starten. In einem Wort: ergonomisch.

Ein Wort über Motoren

Entsprechend den Erwartungen sollte der 118d, der leichteste der zwei lieferbaren Diesels, am populärsten werden und aus diesem Grund wurde er hier gefahren. BMW hat den Motor so tief wie möglich platziert, um den Schwerpunkt zu senken, und damit die Fahreigenschaften positiv zu beeinflussen. Dieser, für BMW-Begriffe "kleine" Motor, kann bereits vom ersten Moment an den positiven Eindruck verstärken.

BMW 1er Reihe (2004 - 2011)

Der Motor reagiert aufmerksam aufs Gaspedal und kommuniziert optimal mit dem Fahrer. Dieser leichteste Dieselmotor macht den "1" zwar nicht zu einem schnellen Auto, aber das Gefühl ist optimal. Der Fahrer weiß direkt, wann wieviel Reserve vorhanden ist und wie das Triebwerk in jeder Situation reagiert. Das wiederholt sich auch in der Kupplung und dem sehr gut funktionierenden 6-Gang Schaltgetriebe. Nur die Bremsen könnten bissiger und stärker sein, um besser zu dem sportlichen Charakter zu passen.

Die Lenkung ist angenehm schwer und exakt. Dank des Hinterradantriebs kann man die Balance in der Kurve mit Gas beeinflussen, wobei ein stärkerer Motor als dieser 118d einen wesentlich größeren Effekt hätte. Das hart gefederte Fahrgestell vollendet das Ganze. Schließlich macht die 1-Serie bei jeder Fahrt unverschämt viel Spaß und dadurch erreicht BMW mit diesem Neuling einen fast süchtig machenden Wagen. In einem Wort: Fahrvergnügen.

Fazit

Für den gleichen Betrag wie für einen BMW 1-Serie gibt es größere, geräumigere und luxuriösere Autos zu kaufen. Aber bei diesem "Premium" Kombi geht es überhaupt nicht darum. BMW verkauft jedoch kein Image oder bloß Marketinggerede. Worum es jedoch in der 1-Serie geht, sind die Fahrqualitäten, die dem Newcomer unleugbare Anerkennung verleihen. Das ist u.a. der Technik zu verdanken, die aus einer perfekten Gewichtsverteilung, einem absolut sublimen Dieselmotor, der die Hinterräder antreibt, und schließlich einer fantastischen Straßenlage besteht. Um noch deutlicher zu sein: in dieser Preisklasse ist der BMW 1-Serie der feinste Diesel im Moment.

BMW 1er Reihe (2004 - 2011)

Dazu kommt die modernisierte Technik, die aus diversen ergonomischen Erfindungen, herrlichen Sportsitzen und bewiesener aktiver Sicherheit des BMW (siehe Testbericht der 5-Serie Touring) besteht. Das Ganze wird durch das eigensinnige Design der gegenwärtigen BMW-Generation vollendet. Deswegen ist der kleinste BMW absolut kein "Logo mit saftigem Preis". Schließlich ein Premium mit beweisbarem Mehrwert. In einem Wort: Geheimtipp.

plus
  • Fortschrittliche Technik
  • Fantastischer Dieselmotor
  • Fahrvergnügen wird zur Sucht
min
  • Teuer
  • Nur als Kombi lieferbar
  • Design gewöhnungsbedürftig