2 Februar 2014

Toyota Automobile Museum

Einfach besonders

Automuseum | Toyota gibt es bereits seit über 100 Jahren. In dieser Zeit hat die Marke natürlich auch viele Autos auf den Markt gebracht. Darum wurde 1989 in der Nähe der Zentrale in Toyota City, Japan, das erste große japanische Automobilmuseum eröffnet. Autozine warf einen Blick hinein und fiel von einer Überraschung in die nächste...
 

Der Name "Toyota Automobile Museum" legt nahe, dass dieses Automuseum die Geschichte von Toyota zeigt. Und in der Tat, am Haupteingang gibt es eine Replik des sehr bekannten "AA". Der "AA" (1936) ist in der Tat das erste Serienmodell von Toyota. Davor produzierte der Hersteller vor allem Webstühle.

Europa

Das nächste Auto auf der Strecke ist allerdings ein Nachbau des Mercedes-Benz-Patent-Motorwagens (1886), offiziell das erste Serienfahrzeug der Welt. Daneben steht ein T-Ford (1909), das erste Großserienfahrzeug. Was stellt sich heraus? Das Museum ist in der Tat von Toyota, zeigt aber Autos aller Marken. Der erste Stock ist sogar komplett den europäischen und amerikanischen Autos gewidmet.

Zweck des Museums ist vor allem, einen Überblick über die Entwicklung von Autos für die breite Öffentlichkeit zu geben, also für den Markt, in welchem Toyota am stärksten ist. Dieses Museum ist bewusst nicht auf Rennwagen, exklusive Autos, Autos von Prominenten oder technische Kunststücke, die nie die Öffentlichkeit erreicht haben, spezialisiert.

Allerdings werden diese Art von Autos auf Grund ihrer besonderen Herkunft am längsten aufbewahrt. Die ältesten Autos in der Sammlung sind daher oft große, luxuriöse Autos, weil sich zunächst nur die Elite ein Auto leisten konnte.

Die meisten europäischen Autos, die hier ausgestellt sind, sind auch in Automuseen in Europa zu sehen und deshalb besonders interessant für den japanischen Besucher. Tatsächlich wurde ein großer Teil der Sammlung mit Hilfe des niederländischen Louwman-Museums erworben. Ein einziges Auto hat sogar noch niederländische Nummernschilder!

Highlights

Ein Unikat unter den westlichen Autos ist der Packard Twelve (1939) des amerikanischen Präsidenten Roosevelt. Trotz der Tatsache, dass dies ein Cabriolet ist, ist das Auto komplett gepanzert und mit 3,5 Tonnen Gewicht das schwerste Stück im Toyota-Museum.

Der Liebling der Führungsleiterin ist der Delage Type D8-120 (1939). Sie beschreibt das Auto als die ultimative Verkörperung des französischen Charmes. Delage begann seine Karriere als Sportwagenbauer, legte aber nach einigen Erfolgen im Rennsport den Schwerpunkt auf elegante Autos.

Japanisch

Der dritte Stock des "Toyota Automobile Museums" ist vollständig den japanischen Autos gewidmet. Da diese in europäischen Museen unterrepräsentiert sind, ist dies die interessanteste Abteilung für den westlichen Besucher. Wieder einmal beginnt die Tour aber mit einer Überraschung: Auf den ersten Autos sind ein Austin-, Hillman- und Renault-Logo zu finden. Diese Wagen wurden nämlich lizenziert in Japan gebaut, womit die japanischen Hersteller in der Lage waren, sich die Kunst abzuschauen.

Subaru bot Ende der 50-er Jahre des letzten Jahrhunderts als eine der ersten japanischen Marken ein kleines, erschwingliches Auto für ein größeres Publikum an. Der Subaru 360 Modell K111 (1958) war zehn Jahre lang ein absoluter Verkaufserfolg. Der lustige Einäugige rechts vom Subaru ist ein Fuji Cabin Modell 5A (1955), ein Roller mit Dach für diejenigen, die es sich nicht leisten konnten, einen Kleinwagen zu kaufen.

1969 wurde der Subaru 360 durch den Honda N360 vom Thron gestoßen. Der Honda war nicht nur wirtschaftlicher, sondern technisch weit überlegen. Der N360 wurde später in Europa mit einem 500-ccm-Motor anstelle des japanischen 360-ccm-Motor verkauft.

Auf dem Panoramafoto ist der Honda N360 (ganz rechts, in beige) neben seinem größten Konkurrenten dieser Zeit zu sehen: dem Suzuki Fronte (dunkelbraun). Das hellblaue Cabrio ist ein Daihatsu Compagno Spider (1965), eines der ersten Freizeitfahrzeuge für das große Publikum. Die Einführung des Compagno Spider fiel mit dem ersten Grand Prix von Japan und der Öffnung der wichtigen "Meishin"-Autobahn zusammen, womit Autofahren zu einem Vergnügen anstatt einer Notwendigkeit wurde.

Der rote Sportwagen (auch ganz links im Panorama zu sehen) ist der Liebling des Museums-Kurators. Es ist ein Toyota Sports 800 (1965). Das Fahrzeug ist mittlerweile ein sehr begehrtes Sammlerstück. Ohne einen Preis zu nennen, erzählt der Kurator, dass ein gebrauchter Sport 800 derzeit 10.000 € pro Kilogramm kostet. Die Bezeichnung "800" bezieht sich auf den Zweizylindrigen luftgekühlten Motor mit einer Leistung von etwa 800 cm³.

Der Sports 800 ist nicht nur wegen seines lebhaften Verhaltens beliebt, sondern auch wegen der Geschichte hinter dem Modell. Der "Sports" basiert nämlich auf der Grundlage des hässlichen Entleins Toyotas, dem "Publica". Als der Kurator feststellte, dass der Redakteur genauso begeistert über den 800 ist wie er selbst, sagte er stolz, dass die Prototypen in einem Lagerhaus in der Nähe stehen. Als große Ausnahme dürfte der Autozine-Redakteur einen kurzen Blick auf diesen heiligen Ort werfen.

Neben den versprochenen Prototypen gibt es hier auch das erste Toyota MR2-Konzept (1984) und nicht weniger als vier Toyota 2000 GT. Als sei es eine Kleinigkeit, erzählt der Kurator, dass diese Autos jetzt zwanzig Mal mehr wert sind als der ursprüngliche Preis war. Die erste Generation (1968) jedoch ist die beliebteste, deshalb ist dieses Exemplar dauerhaft im Museum zu sehen.

Eine neue Abteilung

Im Jahr 1999 wurde der zehnte Jahrestag des Toyota Automobile Museum gefeiert, und zwar mit dem Bau einer neuen Abteilung. Hier steht nicht das Auto in Zentrum, sondern sein Einfluss auf das tägliche Leben. Darum wurde eine Einkaufsstraße gebaut, in welcher jedes Mal ein anderes Zeitbild zu sehen ist. Um es lebensecht aussehen zu lassen, liegen in den Autos Zeitschriften, Spielwaren und Zubehör dieser Zeit.

Im Erdgeschoss des neuen Gebäudes befindet sich ein großer offener Raum, in dem wechselnde Ausstellungen zu sehen sind. Auf diese Art und Weise kann auch das große Publikum die schönen Autos aus dem Lager kennen lernen.

Fazit

Das "Toyota Automobile Museum" in der Nähe von Nagoya in Japan hat zwei Gebäude, in denen etwa 120 Oldtimer zu sehen sind. Anders als der Name vermuten lässt, ist dies nicht nur ein Toyota-Museum, sondern ein allgemeines Automuseum. Sehr speziell ist, dass man nicht die traditionellen Rennwagen und Exoten gewählt, sondern sich für die Alltagsautos entschieden hat. Die Hälfte davon besteht aus westlichen Autos. Bis auf ein paar Ausnahmen handelt es sich nicht um exklusive Modelle. Wer in ein heimisches europäisches Automuseum geht oder sogar eine lokale Oldtimer-Show besucht, kann viele der Autos in seiner eigenen Umgebung sehen.

Was die Reise zum Toyota Automobile Museum lohnenswert macht, ist die Abteilung mit den japanischen Autos. Diese sind in westlichen Museen unterrepräsentiert und hier ein wichtiger Teil der Sammlung. Dabei ist Toyota prominent anwesend, aber sicherlich nicht überrepräsentiert.