3 Februar 2014

Toyota Commemorative Museum of Industry and Technology

Von Presse zum Prius

Automuseum | Der Hauptsitz von Toyota befindet sich in "Toyota City" in Japan. In und um Toyota City befinden sich ebenfalls die wichtigsten Fabriken. Jedoch ist das "Toyota Commemorative Museum für Industrie und Technik" ca. 50 km entfernt und befindet sich in der Stadt Nagoya. Das ist nämlich dort, wo Herr Toyoda (kein Tippfehler) im Jahre 1911 seine erste Fabrik gründete. Autozine warf einen Blick in das Geburtshaus von Toyota.
 

Das "Toyota Commemorative Museum of Industry and Technology" ist schon ziemlich umfangreich. Frei übersetzt ist es ein Museum, das eine Ode an die Art und Weise, wie Toyota sich entwickelt hat, darstellen soll. Es ist ausdrücklich kein Automuseum (das befindet sich ein wenig weiter weg), sondern ein Museum, das sich auf Technik und Methoden der Produktion konzentriert.

Von Webstuhl zu Feuerstuhl

Herr Toyoda begann seine Karriere im Jahr 1896 mit der Entwicklung und Herstellung von Webstühlen. Zunächst waren dies einfache Konstruktionen aus Holz (das Wort "Maschine" ist noch nicht anwendbar). Gerade weil die Struktur so einfach ist, erkennt der Besucher schnell, wie ein Webstuhl genau funktioniert. Allmählich wurden die Webmaschinen immer komplexer, aber mit dem Wissen über das ersten Modell ist leicht zu verstehen, wie moderne Systeme arbeiten.

Im Laufe der Jahre wurden die Systeme immer komplexer. So kann das "Type G" (1924) mit einfachen mechanischen Systemen Fehler abfangen, wofür man jetzt Computer benötigt. Leere Spulen beispielsweise werden automatisch entfernt und gegen neue ausgetauscht. Dadurch konnte ständig mehr produziert werden, und das mit immer weniger Menschen.

Der Reiseführer erzählt stolz, dass Japan in dieser Zeit die höchste Qualität an Stoffen in der Welt herstellte, und dass ein englischer Inspektor kam, um nachzusehen, ob die Arbeiter nicht ausgebeutet wurden. Zu seiner eigenen Überraschung hatte er zu berichten, dass die Maschinen von Toyoda weit besser waren als die englischen.

Sehr speziell ist der Rundwebstuhl, der sich im Foyer des Museums befindet. In einem traditionellen Webstuhl muss sich die Fadenspule nämlich hin und her bewegen, und das ergibt Verluste. In dem kreisförmigen Webstuhl ist die Spule ständig in Bewegung, so dass weniger Zeit verloren geht. Dies ist der Anfang der einzigartigen Weise der Produktion von Toyota ("The Toyota Way"), bei der die Effizienz im Vordergrund steht.

Die meisten der 95 Webstühle arbeiten immer noch, und das Personal führt das auch sehr gerne vor. Die Sprachbarriere ist dabei kein Problem. Ein freundliches Nicken oder ein neugieriger Blick genügen oft schon, danach versteht man die Demonstration auch ohne ein Wort Japanisch.

Die ersten Autos

Schon bald kauften die Briten von Toyoda ein Patent für den einzigartigen Toyoda-Webstuhl. Toyoda erkannte allerdings, dass die Nachfrage an Webstühlen schrumpfte, und dass der neu entstandene Markt für Autos viel versprechend war. Nicht viel später kam es zu einem schweren Erdbeben (Kanto, 1923), und dadurch waren Züge durch den Verlust der Bahngleise unbrauchbar.

1929 sah Toyoda Junior seine Chance und nutzte die Gelder aus dem Verkauf von Patenten, um Autos zu entwickeln. Ford und GM hatten damals schon Fabriken in Japan. Toyoda kaufte diese Autos zwecks Studien und baute mit diesem Wissen effizientere Exemplare.

Die Entwicklung des Autos wurde durch den Zweiten Weltkrieg aufgehalten. Zu dieser Zeit benutzte man alle Rohstoffe und alle Arbeitskräfte, um Kriegswerkzeug zu bauen. Der "AA" (1936) war das erste Serienmodell von Toyoda. Das einzig erhaltene Exemplar befindet sich im niederländischen Louwman-Museum. In Nagoya ist eine Kopie zu sehen.

Mit dem Kommen günstigerer Modelle wurde der Name "Toyoda" in "Toyota" geändert. Letzterer liegt nämlich einfacher im Ohr und ist mit japanischen Zeichen etwas einfacher zu schreiben.

Produktion

Beim "Toyota Commemorative Museum für Industrie und Technologie" geht es allerdings nicht um das Auto selbst, sondern um dessen Technologie und Produktion. Dafür wurde die erste Produktionsstraße rekonstruiert, um einen Eindruck der Produktionsweise der 30er Jahren zu vermitteln. Diese erste Autofabrik war in "Koromo", in der Stadt die nun als "Toyota City" bekannt ist. In der Fabrik in Nagoya wurden nur Webstühle produziert.

Dann wird ein großer Sprung in der Zeit gemacht, und das Museum zeigt eine Fabrik aus den 80er und 90er Jahren. Sogar eine 600-Tonnen-Presse wurde aus Toyota City nach Nagoya gebracht, und der Besucher darf sie selbst mittels eines Knopfdrucks in Bewegung setzen. Mit einem Donnern wird dann ein Stück Blech in die Form eines Autos gestanzt. Auch die ersten (Schweiß-)Roboter aus den 80er Jahren tun immer noch ihre tägliche Arbeit im Museum in Nagoya.

Erwarten Sie keine moderne Produktionsmethoden in Nagoya. Toyotas einzigartige Produktion ("The Toyota Way") ist immer noch ein gut gehütetes Geheimnis, und wie eindrucksvoll sie auch aussehen mögen: Die gezeigten Maschinen sind alle mindestens 20 Jahre alt.

Technik

Neben der Entwicklung der Produktionweise wird der Entwicklung der Automobiltechnik viel Aufmerksamkeit gewidmet. Mit Schnittmodellen wird auf der ersten Etage gezeigt, wie Reifen, Lenkung und Chassis im Laufe der Jahre verfeinert wurden. Die Verbesserungen beziehen sich auf die Sicherheit, Effizienz, aber beispielsweise auch auf die Reduktion der Produktionskosten, womit neue Technologien für eine größere Gruppe von Kunden verfügbar wurden.

Deshalb sind im "Toyota Commemorative Museum für Industrie und Technologie" nicht die Sondermodelle von Toyota zu sehen, sondern die Modelle, mit welchen man die größten Schritte auf dem Gebiet der Technik gemacht hat. Denken Sie dabei an den ersten Corolla, aber auch an den ersten Lexus LS. Sicherlich wird die Hybridtechnik dabei nicht vergessen. Das letzte Auto, das Sie zu sehen bekommen, ist Toyotas Flaggschiff: der Prius Plug-in Hybrid.

Alle Informationen sind in Japanisch, mit englischer Zusammenfassung, verfügbar. Wer kein Japanisch spricht, wird daher doch noch viel lernen in diesem Museum. Wer alles sehen will, braucht für beide Hallen eine gute Stunde. Wer alles lesen, versuchen und ausprobieren möchte, wird im Toyota Commemorative Museum für Industrie und Technologie" in Nagoya einen ganzen Tag lang Spaß erleben.

Fazit

Neben verschiedenen Automuseen hat Toyota ein Museum ganz der Technik und Produktion gewidmet. Das Museum zeigt nicht nur ein gutes Abbild von den Ursprüngen der Automarke Toyota, sondern auch von der Industrie Japans.

Das "Toyota Commemorative Museum für Industrie und Technologie" ist daher eine angenehme Abwechslung von den vielen Automuseen. In diesen stehen nur die Autos zentral, während in Nagoya gezeigt wird, wie sich Automobilfabriken und Automobiltechnik über die Jahre hin entwickelt haben.