4 August 2013

Besuch der Toyota Fabrik

Lernwege

Verschiedenes | Toyota wird als solide und zuverlässig angesehen. Das ist nicht nur dem guten Design und der Verwendung von guten Materialien geschuldet. Es liegt vor allem an der Herstellung. Toyotas einzigartige Bauweise ist als "The Toyota Way" bekannt und beinhaltet eine Art des Denkens, Entwerfens und Bauens, die für die Marke charakteristisch ist. Der beste Ort, um "The Toyota Way" in Aktion zu sehen, ist in der Fabrik in Japan.
 

Trompeten erklingen beim Betreten der Toyota-Fabrik. Oder besser gesagt, beim Betreten des Besucherzentrums. Toyota ist der größte Autobauer Japans, und das bedeutet, dass alles auf einer globalen Skala liegt. Toyota hat nicht nur eine Fabrik, sondern viele Fabriken weltweit. Und der Hauptsitz ist nicht ein Gebäude, sondern so viele Gebäude, dass sie eine komplette Stadt beherrschen. Daher wurde die Stadt, die bis dahin als "Koromo City" bekannt war, offiziell im Jahr 1959 zu "Toyota City" umbenannt.

Besucherzentrum

Im Besucherzentrum machen um die 116.000 Menschen jedes Jahr die Bekanntschaft mit den Produkten von Toyota. Erst dann wird der eigentlichen Fabrik ein Besuch abgestattet. Das erste "Produkt", mit dem der Besucher Auge in Auge steht, ist ein Trompete spielender Roboter. Seien Sie versichert, es ist nur eine technische Spielerei. Im Besucherzentrum werden alle Produkte vom motorisierten Einrad bis hin zum Lastwagen gezeigt, aber Toyota verkauft keine Roboter.

Neben den bekannten Produkten zeigt Toyota einen Blick hinter die Kulissen. So wird die Geschichte des Hybrid-Autos gezeigt, darunter auch mehrere Prototypen des Prius. Die "Experimental Safety Vehicles" zeigen, wie Toyota im Laufe der Jahre neue Sicherheits-Features entwickelt hat.

Dennoch stehen vor allem Ideen und Konzepte im Mittelpunkt. In vielen Fällen geht es nicht um ein bestimmtes Auto, sondern um die Idee dahinter. Ein Auto ist nicht das Ziel, sondern eine Lösung für ein Problem. Nicht Geld zu verdienen, sondern die Zukunft des Unternehmens zu sichern ist das Ziel. Diese andere Art und Weise des Denkens ist das, was Toyota und "The Toyota Way" charakterisiert.

Mit diesem Wissen ist es an der Zeit, in den Bus einzusteigen; ein Toyota selbstverständlich. Die Fahrt durch Toyota City dauert eine halbe Stunde, und unterwegs erzählt ein Stadtführer in perfektem Englisch, welche Modelle in welchem Gebäude hergestellt werden. So ziemlich jede Fabrik und alle Räumlichkeiten in dieser Stadt scheinen von Toyota genutzt zu werden. Da die Gebäude nahe beieinander liegen, ist der Transport der Produkte und Teile billiger und umweltfreundlicher. Das Ziel ist heute die "Takaoka Plant", wo der Toyota Corolla, der Auris und iQ gebaut werden.

Und dann erwartet uns eine große Enttäuschung: Fotografieren ist nicht erlaubt. Darüber hinaus kann nur ein sehr kleiner Teil der Fabrik besucht werden. Gerade weil Toyota eine einzigartige Art zu Produzieren hat, wird dieses Geschäftsgeheimnis sorgfältig bewahrt. Im Nachhinein logisch und verständlich, aber für einen Journalisten ein herber Rückschlag. Dieser Bericht ist daher mit Bildern aus dem Besucherzentrum verziert.

Produktionsprozess

Wie bei jedem anderem Auto fängt man auch bei Toyota mit einer großen Rolle Stahl an. Abgewickelt enthält eine solche Rolle fast 5 km Stahl. Eine riesige Presse formt daraus Teile wie die Motorhaube, Türen und Fahrwerk. Roboter machen um die 4.000 Schweißnähte, um die verschiedenen Teile zu verbinden. Das blanke Chassis geht dann in die Lackiererei, wo es die vom Kunden gewünschte Farbe bekommt.

Die Werksbesichtigung betrifft den attraktivsten Teil der Produktion: die Montage. Hier wird der Metallrahmen mit allem ausgestattet, was ihn zu einem Auto macht: Fenster, Innenraum, Motor, Räder etc. Darüber hinaus ist in dieser Abteilung am besten zu sehen, wie sich Toyota von einer gewöhnlichen Autofabrik unterscheidet.

Der Arbeitsplatz ist definitiv nicht steril wie bei anderen Marken. Bei Toyota sind es nicht die Roboter, die das Sagen haben, sondern Menschen. Der erste Blick erinnert an einen Fischmarkt, Karren mit farbigen Kunststoff-Schalen fahren kreuz und quer durcheinander. Die schmalen Pfade zwischen den Produktionsabschnitten ähneln Kaninchenlöchern.

Dahinter steckt jedoch eine Philosophie: Toyota bemüht sich, alle unnötigen Schritte und Materialien zu beseitigen. Mehr Platz zwischen den Abschnitten bedeutet, weiter laufen zu müssen. Alle notwendigen Materialien werden erst dann angeliefert, wenn sie gebraucht werden, und nicht eine Minute früher. Dadurch wird jede Abteilung zum "Kunden" der vorherigen. Auch während der Produktion ist daher der Kunde bereits König. Es liegt im Charakter der Japaner, den Kunden zufriedenzustellen, und so wird verhindert, dass Probleme an eine andere Abteilung - und schließlich an den Käufer - weitergegeben werden.

Mitdenken

Vielleicht das charakteristischste ist, dass alle Mitarbeiter kontinuierlich mitdenken, um den Produktionsprozess zu verbessern ("Kaizen"). Jeder, vom höchsten Manager bis zur Tee-Dame, fängt in der Fabrik an, um den Prozess von Anfang bis zum Ende zu lernen. Von jedem wird erwartet, mitzudenken und Vorschläge zu machen, um den Produktionsprozess zu verbessern. Die Anregungen können sich auf das verwendete Werkzeug, den Aufbewahrungsort der Teile oder auf den Arbeitsvorgang an sich beziehen. Außerdem gibt man sich alle Mühe, körperliche Anstrengung zu begrenzen. Wenn möglich, wird das Auto gehoben oder gedreht, um zu verhindern, dass der Mechaniker sich in unmögliche Positionen verbiegen muss.

Die vielen Änderungen führen letztlich zu einem großen Unterschied, den Toyota gerne für sich behalten möchte. Die Besucher gehen daher nicht an die Arbeitsplätze, sondern auf einer erhöhten Promenade. Entlang der Promenade kann ein Teil des maßgeschneiderten Werkzeugs ausprobiert werden. Mit einer Stoppuhr können die Besucher erleben, wie viel Zeit die Standard-Methode braucht und wie viel schneller es mit der "Toyota-Methode" geht.

Die Konstruktion eines Autos dauert in etwa 20 Stunden, wovon die Trocknung der Farbe bei weitem die meiste Zeit in Anspruch nimmt. In der Takaoka-Anlage werden durchschnittlich 800 Autos pro Tag produziert. Toyota City liegt in der Nähe eines großen Hafens, von dem aus die neuen Toyotas unter anderem nach Europa verschifft werden. Nach drei Monaten steht das Auto dann im Showroom.

Fazit

Wie wird ein Toyota gebaut? Der beste Weg, um das herauszufinden, besteht darin, die Fabrik in der japanischen "Toyota City" zu besichtigen. Jährlich besuchen tausende von Menschen das Toyota-Werk, und deshalb gibt es täglich Touren (in Japanisch und Englisch). Die Tour beginnt im Besucherzentrum, wo die Philosophie und die Produkte der Marke gezeigt werden.

Der Besuch der Fabrik selbst ist kurz (eine Stunde) und wenig informativ. Um die Konkurrenz nicht schlauer als notwendig zu machen, werden die Besucher nachdrücklich auf Abstand gehalten. Verständlich, aber schade, denn Toyota hat eine einzigartige Arbeitsweise. Toyota bevorzugt Menschen vor Maschinen, weil nur Menschen flexibel sind und mitdenken können, um den Prozess immer weiter zu verbessern.

Der "Toyota Way" ist inzwischen zu einer Philosophie gewachsen, die auch die Geschäftsführung selbst beeinflusst. Das Ziel dabei ist es nicht, so viele Autos wie möglich zu bauen, sondern die bestmöglichen Autos zu bauen. Die ausgezeichneten Erfahrungen der Redaktion mit dem Toyota iQ bestätigt, dass diese Philosophie funktioniert!