23 November 2012
Opel Adam

Opel Adam

Adam ist geboren

Autotest | Opel möchte mehr Autos verkaufen. Das dürfte nun keine Überraschung sein. Die Art und Weise, auf die Opel sein Ziel erreichen will, ist aber neu. Bis jetzt hat Opel existierende Modelle verbessert, um seine Kunden an sich zu binden. Wer einen Corso oder Astra hatte, kaufte ein paar Jahre später ein neues, besseres Exemplar. Mit dem "Adam" macht Opel das ganz anders: Dieses auffällige Modell soll Kunden anlocken, die bislang nicht von dieser Marke angezogen wurden. Wird das dem Adam gelingen?
 

Was ist der Opel Adam? Der Opel Adam ist ein Auto, bei welchem Äußeres und Ausstrahlung im Vordergrund stehen. Natürlich wurden Sicherheit oder Fahreigenschaften nicht vergessen, doch das Fahrvergnügen steht vorne. Damit unterscheidet sich der Adam stark von den anderen Autos von Opel, wobei Gediegenheit und praktische Möglichkeiten vorne stehen. Ein Opel darf schön sein, aber vor allem nicht zu auffällig.

Der Adam schreit es von den Dächern. Neben den anderen Autos von Opel ist Adam geradezu brutal und sogar ein wenig kitschig. Das liegt vor allem an den vielen Ausstattungsvarianten. Der Adam ist in auffallenden Farben lieferbar und kann dabei sogar bis ins kleinste Detail an die eigenen Wünsche angepasst werden. Sogar die Felge und der Schlüssel können dekoriert werden.

Opel Adam

Raum

Das Interieur ist in der Basisausführung genau so gediegen und funktional wie bei jedem anderen Opel. Die Ausstattung ist –natürlich– viel auffälliger. Das Armaturenbrett, die Mittelkonsole, die Türpaneele und Akzente auf dem Lenkrad und in den Sitzen können in der selben Farbe des Lacks ausgeführt werden. Viele von diesen Paneele können nachträglich ersetzt werden, wenn die Farbe doch nicht gefällt (oder es beschädigt ist).

Das Dach kommt mit Mustern wie einer Wolkendecke oder einem Schachbrett. Sogar ein Sternenhimmel, bestehend aus sechzig LEDs, ist lieferbar. Obwohl die LEDs während der Fahrt nicht ins Blickfeld des Fahrers fallen, bewirken sie eine warme Beleuchtung von oben, und das ist ganz angenehm.

Opel Adam

Der Raum vorne im Adam ist prima, auch große Fahrer ist das Sitzen hier bequem. Der Raum hinten ist schlecht, sogar für ein kleines Auto. Der Gepäckraum ist mit 170 Litern durchschnittlich groß, seine Benutzung wird jedoch durch eine besonders hohe Hebeschwelle erschwert.

Ausrüstung

Um mit dem Adam eine große Käufergruppe zu erreichen, wurde ein besonderes Audio-, Navigations- und Kommunikationssystem entwickelt, das "IntelliLink" genannt wird. Weil das Handy (iPhone oder Android) als Gedächtnis benutzt wird, kann viel Geld gespart werden. Eigentlich ist der IntelliLink nur eine Durchreiche. Anweisungen des Navigationssystems, das auf dem Handy läuft, erscheinen auf dem Monitor des Autos. Musik, die auf dem Handy gespeichert ist, ertönt aus den Lautsprechern des Autos.

Opel Adam

Um den Spaß zu erhöhen, ist der Adam mit einen hochwertigen Audiosystem lieferbar, das in Zusammenarbeit mit dem Hifi-Spezialisten Infiniti entwickelt wurde. In Anbetracht des bescheidenen Mehrpreises ist dieses System das Geld mehr als wert. Der Klang ist nicht ausgesprochen klar, aber Infiniti hat immer Lust auf eine Party. Bedenken Sie jedoch, dass der Gepäckraum durch den Subwoofer fast halbiert wird.

Wer den 3,70 Meter langen Adam nicht gerne selber einparkt, kann sich für eine vollautomatische Parkhilfe entscheiden, welche ihm die Arbeit ganz aus den Händen nimmt. In der Stadt warnt "Blind Spot Alert", wenn sich ein anderes Fahrzeug im toten Winkel der Außenspiegel befindet.

Der Adam wird auch mit "FlexFix" angeboten werden, einem Fahrradträger, der in die hintere Stoßstange integriert ist. Der Träger schiebt sich wie eine Schublade aus der Stoßstange, womit Auf- oder Abbauen der Vergangenheit angehört.

Opel Adam

Fahren

Gegenüber einer riesigen Anzahl an Ausrüstungsmöglichkeiten steht eine überraschend eingeschränkte Anzahl an Motoren. Als dieser Artikel geschrieben wurde, bot Opel eine Auswahl aus drei Benzinmotoren, die in der Leistung von 70 bis 100 PS variieren. Ein Dieselmotor oder ein automatisches Getriebe waren nicht lieferbar.

Opel Adam

Für diesen Test fuhren wir mit dem 87 PS starken 1.4 Liter Benzinmotor, der auch für viele andere Opel lieferbar ist. Das macht den Adam wieder sparsam beim Kauf. Außerdem ist die 1.4 Liter Kraftquelle eine alte Bekannte, womit auch Kinderkrankheiten ausgeschlossen sind. Dennoch gibt es einen Kritikpunkt gegen den Einsatz einen exisierenden Motors: Der Charakter des Motors passt nicht zum vielversprechenden Äußeren des Adam.

Der 1.4 Liter Motor bietet durchaus genügend Leistung, um im Verkehr mitzuhalten. Wenn aber mehr gebraucht wird, läuft die Drehzahl (und damit die Geschwindigkeit) ausgesprochen träge hoch. Bei jedem anderen Auto kann das als beruhigend und Komfort erhöhend deklariert werden. Ein Auto wie dieses sollte jedoch auf jedes Kommando sofort reagieren. Gefühlsmäßig ist der 1.4 deswegen weniger schnell, als die Messungen zeigen; das sollte umgekehrt sein.

Opel Adam

Das Geräusch des Motors ist deutlich hörbarer als in anderen neue Autos dieser Preisklasse. Deswegen haben wir auf der Autobahn mehr als nur einmal aus automatischer Gewohnheit nach einem sechsten Gang gesucht, doch der fehlt (damit das Auto bezahlbar ist, ist das eine bewusste Entscheidung des Herstellers).

Gegenüber den mäßigen Leistungen steht zum Glück auch ein mäßiger Verbrauch. Natürlich ist der Adam mit einem Stopp-/Start-System, einem Schaltindikator und einem Bordcomputer ausgestattet. Der von Opel versprochene Verbrauch von 5,1 Litern pro 100 km ist damit gut realisierbar. Nach einem Tag im Stadtverkehr und einer herausfordernden Bergstrecke blieb der durchschnittliche Verbrauch auf 6,5 Liter pro 100 km beschränkt.

Opel Adam

Straßenlage

Ein Auto wie der Adam bettelt fast um große, auffallende Felgen und breite Reifen. Opel hat damit nicht nur im Entwurf gerechnet (die Radkasten bietet vollauf Raum), sondern auch mit der Federung. Sogar wenn das sportliche Fahrgestell in Kombination mit dem größten Felgenmaß (18 Zoll) gewählt wird, bleibt ausreichend Komfort. Manch anderes Auto würde mit dieser Kombination über die Straße hüpfen!

Auch bei der Straßenlage geht es vor allem um die Präsentation und nicht um tatsächliche Leistungen. So ist das Lenkrad klein und dick. Das alleine gibt einem schon ein gutes Gefühl mit diesem Auto. Die Lenkung ist etwas direkter als bei einem durchschnittlichen Auto, was den Adam lebendig macht. In schnellen Kurven ist die Griffigkeit ausgezeichnet. Dennoch kommt der Adam nie zum Leben, wie es beispielsweise die Konkurrenten MNI und Citroën DS3 tun. Vor allem in der Stadt lässt sich der Adam geschmeidig und sehr schnell durch den Verkehr lenken.

Opel Adam

Fazit

Opel möchte Kunden zu sich bringen, die bislang noch nicht von ihrer Marke angezogen wurden. Der Hersteller macht das mit einem kompakten, auffälligen Auto, das bis ins kleinste Detail auf die Wünsche des Käufers angepasst werden kann. Der Adam ist größer als ein Fiat 500, aber kleiner als ein Audi A1 oder ein Citroën DS3. Auch bezogen auf den Preis steht der Adam genau zwischen den anderen Spaßautos.

Der günstige Preis ist der Verwendung von bestehender Technik zu verdanken. Das geht so weit, dass sogar das Handy ins Auto integriert wird, wodurch ein vorteilhafteres Audio- und Navigationssystem angeboten werden kann. Der Gebrauch von existierender Technik sorgt aber auch dafür, dass die Fahrt im Adam weniger spannend ist, als das vielversprechende Äußere vermuten lässt.

Opel kombiniert den extravaganten Charakter des Adam mit der "vernünftigen" Technik anderer Modelle. Das gilt nicht nur für Sicherheitseinrichtungen, sondern auch für den integrierten Fahrradträger. Mit diesem einzigartigen Mix unterscheidet sich der Adam nicht nur stark von allen anderen Autos von Opel, sondern auch von anderen "Spaßautos". Damit hat der Adam alles in sich, um neue Kunden für sich zu gewinnen, worauf Opel zielt.

plus
  • Netter Preis
  • Gelungene Kombination aus Prunk und Gediegenheit
min
  • Unbequem großer Wendekreis
  • Monitor des Navigationssystems unbequem tief platziert
  • Vielversprechendes Äußeres wird beim Fahrvergnügen nicht wahr gemacht